Zigarrenbörek

Wer gerne liest, braucht etwas zum Knabbern dazu. Zu der Lektüre von meinem Roman „Nenad“  kann ich Sigara böreği warm serviert empfehlen. Diese ursprünglich türkische Vorspeise besteht aus fingerdicken frittierten Teigröllchen, gefüllt mit Schafskäse, Kräutern und orientalischen Gewürzen. Auch Kartoffel oder Faschiertes eignen sich als Füllungen. Sigara böreği kommen natürlich auch in meinem Buch vor. Und was viel wichtiger ist: Sie schmecken köstlich und eignen sich bestens als Partysnack.

zigarrenboereks

Bei diesem Bild bekommt niemand keine Lust das gleich nachzumachen: Hier geht es zum Hamm Njamm Njamm-Rezept: Zigarrenbörek

Und die passende Textstelle aus dem Roman „Nenad. Fast (k)ein Heimatroman“ bekommt ihr gleich dazu serviert:

Eine Frau wie Minerva kann man halt nicht zähmen. Die macht, was sie will, und kommt halt auch zu spät, wenn sie zu spät kommen will“, sagte Goran jetzt zu mir und grinste mich verwegen an. Es wurde immer später, also aß ich alleine. Goran setzte sich nur kurz zu mir, denn er hatte viel in der Küche zu tun. Als sie nach dem Essen immer noch nicht da war, fing ich an mir Sorgen zu machen.
„Lass aber noch was für sie übrig. Vielleicht kommt sie ja noch. Du frisst ja alles weg. Und bezahlen könntest du auch mal“, schimpfte er, während er hinter der Theke stand und Sigara böreği, also Zigarrenböreks, rollte. Alle Röllchen waren identisch. Jedes einzelne hatte eine perfekte, schmale Form.
„Ich mach mir ehrlich Sorgen um sie. Was ist, wenn ihr was passiert ist?“, fragte ich. Ich hatte sie schon ein paarmal auf ihrem Handy angerufen, aber es war abgedreht, wie immer, wenn sie Dienst hatte. Minerva war nicht sehr verlässlich. Es kam öfters vor, dass sie einfach nicht erschien. Sie gab uns gerne das Gefühl, dass sie uns nicht brauchte. Das war schon immer so gewesen.
Goran hing an seiner Schwester. Aus ihm war ein respektabler, verlässlicher junger Mann geworden. Noch vor einigen Jahren war das unvorstellbar gewesen. Im Gegenteil, ich und jeder andere in unserem Umfeld hatten gedacht, dass dieser Junge nicht besonders alt werden würde. Es gab keine Mutprobe, keine Droge, keine Dummheit, keine Affäre, die er ausgelassen hatte. Er hatte alles abgebrochen, was er angefangen hatte. Außer Istanbul natürlich. Und es wäre auch kein Wunder gewesen, wenn man sich die Statistiken so ansieht. Enorm viele Schüler mit Migrationshintergrund fallen in Österreich nach dem Beenden der Pflichtschuljahre in ein Loch oder sogar durch das soziale Netz. Niemand sieht es, das wird einfach so hingenommen. Der Teufelskreis: keine Lehrstelle, keine Motivation, keine Arbeit, keine Ausbildung. Aus, Ende. Keiner kümmert sich, es ist allen egal, niemand hilft, gibt Rat, es kommt, wie es ja kommen musste. Alles immer schon so gewesen.

Guten Appetit. Dobar Tek. Afiyet olsun.