Wischiwaschi

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Sog ma hoit amal. Schau ma mal. Wer ma scho sehen.

Diese drei Sätze beschreiben perfekt, wie Österreich tickt. Wir leben in einer Wischiwaschi-Kultur. Wischi steht für Schriftstück, also „Wisch“, und waschi für waschen, also „Schwätzen“. Wir legen uns nicht so gerne fest. Bevor wir etwas umsetzen, tun wir es erst mal nur halb und -herzig. Das hat fatale Folgen. Niemand kennt sich mehr aus, Chaos regiert unsere kleine Alpenwelt. Denn was früher einmal gut war, oder zumindest funktioniert hat, tut es heute nicht mehr. Ein Krabbensalat, der im Jahr 1995 delikat war, wird heute nicht mehr ganz so bekömmlich schmecken. Dinge werden mit der Zeit faul, ja stinken sogar bestialisch. Das erkläre ich anhand von drei Beispielen: Denn typisch österreichische Lösungen sind auf Dauer meist gar keine.

Stichwort Nichtraucherschutz:

Es ist einfach nicht mehr zeitgemäß, dass in Räumen geraucht wird, in denen sich Kinder und Nichtraucher aufhalten. Wisch und weg damit. Punkt. Fakt ist: Österreich liegt im europäischen Vergleich beim Nichtraucherschutz auf dem letzten Platz.

Stichwort Schule:

Das ganze System ist eine riesige Baustelle. Ein Trümmerfeld, schreibt Hans Rauscher heute im Einserkasterl des Standards. Wieso überlegt niemand, wie es aussehen soll, wenn es fertig ist? Und bitte im Idealfall! Denn Bildung ist Zukunft. Ohne der sieht ein Land nämlich irgendwie irgendwann ziemlich blöd aus der Waschi.

Stichwort Bundeshymne

Hahaha scherz. Mir fallen noch viele Beispiele für rot-weiß-rote Wischiwaschi-Lösungen ein, aber weil am Sonntag Tag der Frau ist und ich selbst zufällig eine bin, nehme ich die Einkommensschere her.

Stichwort Einkommensschere

Hier gibt es nicht einmal eine Lösung. Naja gut. Ich will nicht ungerecht sein. Im Bankensektor gibt es neuerdings eine Quote. Äh falsch: Eine Zielquote für das unterrepräsentierte Geschlecht. Na Wischi sei Dank. Übrigens liegt das Bruttojahreseinkommen von Frauen 39% unter dem von Männern. Also was tun wir? Hm. Start ma mal eine Kampagne! Eine Kampagne? Eine Kampagne! Das ist ja noch nicht einmal wischiwaschiwürdig. In Deutschland wird die Frauenquote Gesetz. Das hat der Bundestag heute mit großer Mehrheit beschlossen.

 

Ich finde, es gibt Debatten, bei denen gibt es kein Dagegen, kein Contra, kein Nein mehr: Und dazu gehört Einkommensschere schließen, Geld, ja viel Geld in die Bildung stecken und der hundertprozentige Nichtraucherschutz. Doch die Einkommensschere weitet sich, die Nichtraucher sollen sich g’fälligst selbst schützen und die Bildung, ja da wird herum reformiert, gedoktert, aber mehr als zaghafte Trippeltrappelschritte? Fehlanzeige. Fehlt den PolitikerInnen der Mut? Haben sie Angst, Wähler zu verlieren? Wohl nicht, denn in der Causa Hypo hat Mutter Staat Courage nicht nur Furchtlosigkeit, ja fast schon Waghalsigkeit bewiesen. Ohne Rücksicht auf Verluste (haha). Klar gibt es in jeder Causa Argumente dafür und dagegen. Klar braucht es Mehrheiten. Klar gibt es Streitpunkte. Klar gibt es Verlierer. Ein paar Feinde macht man sich immer (siehe Mahü neu). Genau wie ich, die sich mit diesem Geschreibsel in die Nesseln ihrer Raucherfreunde gesetzt hat. Aber ich verbrenn mich gerne, wenn wir am Ende alle gewinnen können.

Also bitte ein bisschen mehr Tacheles, statt Wischiwaschi.

 

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