Wir müssen es nur wollen, nicht können!

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Ich sehe meinem Sohn dabei zu, wie er Krabbeln lernt. Dabei ist „Lernen“ eigentlich der falsche Ausdruck. Er probiert es, er übt es, er will es. Niemand zeigt ihm, wie es geht. Niemand erklärt es ihm. Niemand macht es ihm vor. Niemand sagt, er muss es können. Und vor allem weiß er nicht, dass er es bald können wird. Und er tut es trotzdem, ohne Aussichten, ohne Garantie, auf Erfolg. Er ahnt nicht, dass er bald sogar auf seinen zwei kleinen Beinchen aufrecht gehen wird. Dass er bald Laufen, Rennen kann. Er versucht einfach, sich fortzubewegen und dabei gibt er nicht auf. Er ist unermüdlich in seinem Tun. Weil er es einfach tun will.

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Ich nehme mir daran jetzt ein Beispiel. Denn warum glaube ich eigentlich, dass immer alles sofort funktionieren muss? Warum denke ich so oft ans Aufgeben? Warum will ich so oft alles hinschmeissen? Warum setze ich mich selbst unter Druck? Setze mir Zeitlimits? Ich muss üben und lernen, wenn ich besser werden will, um irgendwann richtig gut zu werden. Das braucht eben Zeit. Geht es darum nicht im Leben? Denn Aufgeben liegt doch eigentlich gar nicht in der Natur des Menschen. Sonst würden wir alle unser Leben lang zappelnd am Rücken liegen. Wann fangen wir an aufzugeben? In der Schule? Beim Sport? Dann nämlich, wenn der Leistungsdruck beginnt. Wenn wir erkennen, es gibt Andere, die sind besser als wir. Wenn wir sehen, dass wir niemals so gut sein können, wie diese Anderen, selbst wenn wir uns noch so sehr anstrengen. Wir fangen an, zu übersehen, was wir selbst erreichen wollten. Dabei müssen wir uns doch gar nicht mit anderen messen.

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Babies und Kinder haben noch keinen Leistungsdruck. Zum Glück. Den sollten sie auch nicht haben. Sie wollen eben einfach alles können, das Krabbeln, Sitzen, Gehen, Laufen. Alleine um das Wollen geht es. Dabei sind sie auch ungeduldig. Werden wütend, wenn es nicht klappt. Diese Wut ist gut. Denn sie macht ehrgeizig. Sie stachelt an, es noch einmal, und noch einmal zu probieren.

Das werde ich jetzt auch tun. Egal wie lange es dauert. Egal, wie oft ich dabei hinfalle. Irgendwann werde ich es können und richtig gut darin sein. Im Schreiben.

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