Wir helfen gerne: Niemandem

 

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Breitenfurt hat es getan. Gablitz tut es jetzt. Purkersdorf wollte es tun und wollte es tun und wollte es tun. Seit Ende Juni wollte Purkersdorf es tun: Flüchtlinge aufnehmen. Konkret 36 unbegleitete Minderjährige. Die Purkersdorfer haben sich gefreut. Waren voller Tatendrang. Und dann haben sie, haben wir alle einmal gewartet.

In der Zwischenzeit waren Menschen wie Vieh untergebracht in Traiskirchen, sind in der Hitze kollabiert, haben im Regen geschlafen, sind auf der Autobahn erstickt in überfüllten LKWs. Kinder sind verloren gegangen (man möchte sich nicht ausdenken, was mit ihnen passiert ist!). Jetzt im Winter müssen neu Ankommende an der Grenze im Freien schlafen, damit sie ihren Platz in der Schlange nicht verlieren. Sie gebären auf ihrem Weg Babies, sie frieren, sie zittern und warten. Warten auf Hilfe. Auf Versorgung. Auf ein normales Leben, das sie sobald sowieso nicht haben werden in Anbetracht der Traumatisierung, die sie alle! erlebt haben. Nur wenige bleiben und warten. Die meisten reisen weiter. Weil es hier so schnell nichts gibt, worauf es sich zu warten lohnt. Warum? Weil einzelne, viele einzelne Gemeinden nichts tun. Obwohl viele vielleicht sogar tun wollen. Oder eben wollten. Denn langsam schwindet dieser Drang zu helfen, die Augen nicht zu verschliessen und weicht dem irgendwie typisch-österreichischen, und irgendwie auch angenehmen Ich-war-eh-schon-am-Westbahnhof-und-hab-im-Sommer-Rucksäcke-nach-Traiskirchen-gebracht-Selbstbetrug.

Worauf ich hinaus will: Helfen ist toll. Aber wenn den Helfenden nicht geholfen wird zu helfen, dann wollen die Helfenden irgendwann nicht mehr helfen. In Purkersdorf wollten die Menschen jedenfalls helfen. Sie haben gewartet. Websites errichtet. Infoabende veranstaltet. Es wurde überlegt: Wo können wir aufnehmen, was können wir tun, wie können wir helfen? Sie haben gewartet. Es wurden Spenden organisiert. Spenden, die jetzt niemand abholt. Kulturveranstaltungen fanden statt. Zugunsten? Hm zu wessen Gunsten denn jetzt noch einmal? Wo sind sie denn die Jugendlichen. September hieß es. Oktober dann. Jetzt ist November.

Natürlich könnte ich, könnten wir, die Purkersdorfer anderswo spenden. Helfen. Tun wir auch. Tun sie auch. Die einen fahren nach Spielberg und helfen dort. Andere sind am Westbahnhof im Einsatz. Am Hauptbahnhof. Wieder andere helfen in den Nachbargemeinden oder organisieren Spenden, Deutschkurse, die privat von den Familien gebraucht werden. Aber sie sind frustriert. Sie wollten hier helfen. Etwas aufbauen. Ein Vorbild sein an gelingender Integration. Man hilft doch lieber dort, wo man sieht, dass die Hilfe gebraucht wird und dass sie angenommen wird. Dass aus einem Kennenlernen ein Etwas-miteinander-machen entsteht. Vielleicht eine Freundschaft, aus der schließlich irgendwann eine gegenseitige Hilfe wird. Das ist das Ziel erfolgreicher Integration.

Was derzeit in Purkersdorf passiert ist ein Beispiel an vertaner Chance, an nichtgenutztem Elan. Es ist eine Gemeinde, die integrieren wollte, aber nun scheinbar unter sich bleiben muss. Weil es angeblich keinen Platz gibt. Keine einzige Wohnung. Kein einziges leerstehendes Gebäude. Keinen Platz. Kein Geld. Um vorübergehend in Container zu investieren bis langfristige Lösungen gefunden werden. Und das in einer Zeit, in der täglich tausende Menschen unser Land durchqueren. Auf der Suche nach einem neuen zu Hause.

Ein zu Hause, das Purkersdorf geben wollte, ja WOLLTE. Aber halt leider irgendwie, warum, das weiß man nicht so genau, halt na geh schade wollte, aber eben nicht geben KONNTE.

Wer das gerne gratis gelesen hat, wollte hierfür sehr gerne bezahlen.