Wie mache ich meinen Blog unbekannter?

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Lektion Nummer 1: Fotos sind Gift für einen Blog, der nicht gelesen werden will. Deshalb hier nur ein Foto von einem Foto, auf dem das Wort Foto steht.

 

Im Internet findet der unbekannte Blogger zahlreiche Tipps, um das Geschriebene einer größeren Leserschaft zugänglich zu machen. Was aber, wenn er das gar nicht möchte? Hierfür habe ich einige Ratschläge parat. Eine Weltpremiere.

Natürlich stellt sich da die berechtigte Frage: Wozu bloggen, wenn ich gar nicht gelesen werden will? Tja, ich habe die Antwort: Es gibt zumindest eine Bloggerin im Internet, die gar keine wirkliche Bloggerin ist. Und das bin ich.

Denn Blogger, das sind Leute, die wirklich etwas zu sagen.

Oder es sind Leute, die denken, dass sie etwas zu sagen haben.

Ich weiß aber leider, dass ich gar nichts zu sagen habe. Und trotzdem habe ich einen Blog. Meine Gründe dafür sind einfach und ich gebe es nur ungern zu, auch leider sehr selbstsüchtig und eigennützig:

Erstens wollte ich mein Buch an einen Verlag bringen. Das habe ich aber bald aufgegeben.

Zweitens: Für mich ist das Schreiben eine Art Trockentraining während meiner Karenzzeit als Fernsehjournalistin.

Drittens: Ich verbringe meine Tage größtenteils mit zwei Kindern unter vier Jahren. Durch den Blog kann ich weiterhin mit über Vierjährigen kommunizieren. Beide Kommunikationsformen sind allerdings oft sehr einseitig. Der Einjährige kann noch nicht reden, der Dreijährige will es oft einfach nicht und meine Leser lesen möglicherweise, aber antworten mir nicht.

Deshalb würde ich mich eher Verlegenheitsbloggerin nennen. Ich fühle mich oft gar nicht wohl dabei, aber aufhören kann ich auch nicht mehr. Deshalb habe ich ein Ziel: Meinen Blog ja nicht bekannter machen, als er schon ist. Und dazu habe ich folgende Tipps gesammelt für andere Verlegenheitsblogger. Vielleicht gibt es ja welche.

1. Du darfst nicht anecken, nicht polarisieren.

Formuliere ja nicht spitz. Es niemandem so wirklich recht zu machen und gleichzeitig niemandem dabei Unrecht zu tun, das ist eine sehr hohe Kunst. Dabei solltest du ausserdem deine eigene Meinung unbedingt ausser Acht lassen. Denn es wird immer jemanden geben, der deine Meinung teilt, oder NICHT teilt. Und beides ist gefährlich, wenn du willst, dass deinen Blog eben niemand teilt.

2. Schreibe über belangloses Zeugs, das keinen interessiert.

Das ist eine echte Herausforderung angesichts der Tatsache, dass es kürzlich der NEOS-Parteichef mit einem Gedicht über Kastanien endlich einmal in die Schlagzeilen geschafft hat. Meide also Gedichte über Buchengewächse und potentielle Streitthemen wie Raucherschutz, Marihuana-Legalisierung, Kindererziehung, Todesstrafe, Sterbehilfe, Emanzipation, Vorratsdatenspeicherung, iphone vs. Android usw.. Das sind Themen, zu denen leider jeder eine Meinung hat. Besser geeignet in naher Zukunft: Homosexualität. (Das darf 2015 niemanden mehr interessieren. Nur Tim Cook hat es 2014 damit gerade noch in die Schlagzeilen gebracht. Damit ist dann aber jetzt endgültig Schluss.)

3. Spezialisiere dich ja nicht auf ein einziges Thema.

Denn es könnte sich eine Zielgruppe bilden. Interessensgruppen sind oft gut vernetzt. Das birgt eine ungeheuerliche Gefahr: Jemand könnte tatsächlich auf die Idee kommen deine Seite weiterzuempfehlen, was ein Lauffeuer entfacht. Und Schwups ein Fanansturm ungeahnten Ausmaßes klickt dich an, verfolgt dich, zwingt dich zum Schreiben. Es werden mehr und immer mehr. Du musst deinen Job aufgeben und machst dir Tag und Nacht nur noch über neue Beiträge Gedanken. Also: Unbedingt wahllos über irgendwas schreiben: Einmal über den Dopingalarm bei den Curlern, dann wieder über die Rückgratlosigkeit der Kopffüßer.

4. Meide soziale Netzwerke.

Deine sogenannten Freunde könnten nämlich deine Seite auf ihrer Timeline verlinken. Und diese Links sind wie Defibrillatoren für totgesagte Blogs auf Nullbesucherlinie.

5. Zum #Teufel mit den #Hashtags.

Sie erschweren nicht nur das flüssige Lesen. Nein, sie sind (und sehen auch aus) wie gefährliche Fallen, die harmlos herumirrende Googler einfangen. Und bitte ja nicht bekannte Persönlichkeiten hashtaggen wie hier in der Headline als Negativbeispiel angeführt ist.

So, und jetzt bitte helft mir, ignoriert das Gelesene einfach und lasst es in den ungeahnten WWeitenW verschwinden. Danke.

 

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