UAWGEG – Um Antwort wird gar nicht erst gebeten

Ich mache zwar gerade Urlaub, mein aber Blog nicht. Schließlich bekomme ich ja sonst auch nichts dafür bezahlt.

 

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(Ich weiß, dieses Titelbild passt diesmal überhaupt nicht, aber ich habe meine Fotodatenbank leider zu Hause vergessen. Sieht dieser Kleiderhaken nicht aus wie ein gehörnter, zweirüssliger Elefant?)

 

Es hat sich nichts geändert. Bis jetzt habe ich erst eine Antwort von einem Verlag erhalten. Die anderen haben sich noch immer nicht gemeldet. Was mich nachdenklich macht. Denn es ist ja jetzt schon ein Weilchen her, das Absendedatum. Wäre es naiv, jetzt noch auf weitere Antworten zu warten, mir Hoffnungen zu machen? Sollte ich weitere Verlage, Agenturen anschreiben? Und mit dem uralten Klassiker U.A.w.g. schließen?

Denn vielleicht kommt von den bereits Angeschriebenen gar nichts mehr zurück. Nicht mal eine öde Absage. Kann ja sein, oder nicht? In der heutigen Zeit wäre das gar nicht so unüblich.

In unserer kurzlebigen, vielbeschäftigten Welt gibt es Leute, die 567 E-Mails am Tag bekommen. Verlage bekommen an die zwanzig unverlangt eingesendete Manuskripte, Leseproben pro Tag zugesendet. Vielleicht sogar noch mehr. Will man, kann man da überhaupt jedes einzeln abweisen? Bringt man das überhaupt übers Herz? Vielleicht geht es sich zeitmäßig gar nicht aus? Geht es uns nicht allen so, zumindest ein bisschen? Im Arbeitspostfach, E-mail-Eingang mancher Leute können schon einmal 700 bis 1000 E-mails pro Tag landen. Die wichtigsten werden dann beantwortet, ein Teil rutscht in die Warteschlange, die eher unwichtigen von unbekannten Absendern wandern gleich gemeinsam mit dem Spam ungelesen in den Papierkorb. Anders geht es gar nicht mehr. Aber, wenn man so darüber nachdenkt, ist das eigentlich schlimm, wie wir mit Nachrichten, die an uns gerichtet sind, umgehen. Wir ersticken in elektronischer PR-, Werbungs- und Einladungspost.

Eine Freundin hat sich bei mir einmal über die schwindenden Gästemanieren beschwert. Eindeutig eine Begleiterscheinung des Internetzeitalters, der sozialen Netzwerke, die so sozial ja gar nicht sind.

Auf Einladungen per E-mail wird immerhin noch auf den letzten Drücker geantwortet, Einladungen auf Facebook zum Großteil einfach ignoriert. Obwohl wir wissen, dass es ein Zeichen von geringer Wertschätzung ist, auf Fragen, Anfragen, Einladungen einfach nicht zu antworten. Warum fällt uns das im Internet so leicht, andere gering zu schätzen, unhöflich zu sein?

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Wie kommt das? Selbst Freundschaftsanfragen werden oft nicht beachtet. Ich nehme mich da selbst an der Nase. Auf persönliche E-mails, Nachrichten versuche ich immer sofort nach Erhalt zu antworten, denn mir lässt das ohnehin keine Ruhe, wenn ich solche Dinge aufschiebe. Auf Einladungen, ja da lasse ich mir selbst auch gerne Zeit. Warum eigentlich? Das ist nicht nur unhöflich, sondern auch planungsboykottierend. Parties, Feste und Veranstaltungen müssen schließlich organisiert werden. Da hilft es ungemein zu wissen, für wie viele Gäste man plant, bestellt, einkauft. Für drei? Oder doch 300?

Dabei will ich in Zukunft helfen und immer sofort zu- oder absagen. Nicht, dass ich noch viele Einladungen erhalte. Deshalb fällt mir das auch vergleichsweise bestimmt nicht so schwer, wie so manchen Partytigern. (Ja, ich weiß. Der Begriff ist mehr als unzeitgemäß. Und ja, von mir aus bin ich halt so alt, wie ich mich schreiben lese.)

Freundschaftsanfragen von mir unbekannten Leuten will ich nicht annehmen. Nicht aus Arroganz, sondern aus Vorsicht, da ich Kinderfotos online stelle. Trotzdem lasse ich ab heute eine abgelehnte Freundschaftsanfrage nie unkommentiert, sondern erkläre meine Beweggründe. Ob das hilft, weiß ich nicht, aber ich fühle mich nicht mehr so schlecht dabei. Denn diese vernetzte Welt spiegelt doch irgendwie das Sozialverhalten im Minikosmos Kindergarten wider: „Willst du mein Freund sein?“ Abgeschickt. Erhalten. „Hm? Öh, Nein.“ Ignoriert, gleich wieder vergessen. Dass das so einfach geht, Menschen abzuweisen, das macht mich traurig. Dabei brauchen wir doch Freunde, fast so wie Luft zum Atmen. Und niemandem fällt es ganz leicht, jemanden um Freundschaft zu bitten, nämlich aus Angst abgewiesen zu werden.

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So, jetzt genug der Suderei und in Wehmut Schwelgerei. Ich komme zurück zu meinem Buch, um das es ja eigentlich hier geht. Wen es interessiert, wie ich mit der Korrektur voran komme: Ganz gut, danke der stillen Nachfrage. Ich nähere mich dem Ende. Mich beschleicht allerdings das Gefühl, dass ich die Korrektur noch Korrektur lesen sollte. Beim Korrigieren passieren ja neue Fehler. Verdammt. Ach, dieses Buch ist ein Endlosprojekt. Das Korrekturfinale muss aber jetzt flott gehen. Ich habe mein Buch ja jetzt an die fünf, sechs Mal gelesen, nachdem ich es selbst auch schon geschrieben habe.

Gibt es da draussen zufällig jemanden, der viel Zeit hat, gerne liest, sich mit Rechtschreibung, Interpunktion usw. sehr gut auskennt und mal ganz geschwind und dazu auch noch irgendwie gratis mein Buch überfliegen will? Ganz nebenbei dürfen professionell die kleinen Vertipperchen und Verschreiberchen rot angestrichen werden. Und das alles bis spätestens kurz vor Ende Juli, denn da muss ich es abschicken.

Ja, ich weiß, die reinste Unverfrorenheit das zu fragen. Aber hey, Frechheit siegt, zumindest manchmal. Ich habe auch schon mal gratis gearbeitet.

Keine Angst, diese Frage war nicht ganz ernst gemeint. Ich rechne nicht damit, bin aber trotzdem gespannt, ob sich jemand freiwillig meldet.

Also UAWGEG 😉

Ich wünsche euch Buch, Tee und Gemütlichkeit an diesen nasskalten Tagen!