Traiskirchen: Das Versagen ist gewollt

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Niemand fängt ihn. Den Ball. Bund kickt ihn in die Länder. Die Länder in die Gemeinden. Die Gemeinden werfen ihn den Behörden zu. Die Behörden den NGOs. Die NGOs fühlen sich hilflos. Und beschießen das Ministerium. Das Ministerium eiert den Ball weiter in die anderen den Ministerien. Niemand fängt ihn auf! Ein MinisteriOsum? Oder ist das Versagen gar gewollt?

Diese unmenschlichen Zustände! Das Chaos? Das mehr als überfüllte Erstaufnahmezentrum? Verletzte? Kinder? Schwangere? Die da im Freien übernachten. Bei Hitze und Regen. Keinen Zugang haben zu medizinischer und psychologischer Betreuung, diese sogar verwehrt wird. Und die, die zuständig sind? Die tun einfach nix, nicht wirklich etwas.

Dieses Phänomen ist auch in unseren Nachbarländern zu beobachten. Niemand will sie. Die Flüchtlinge. Deshalb werden sie nicht aufgenommen. Nicht wie Menschen behandelt. Man lässt sie leiden. Krankheiten ausbrechen. Wüten. In der Hoffnung sie mögen wieder verschwinden. Doch für sie gibt es keine Alternative. Und schon gar kein Zurück. Eigentlich ist es naheliegend. Diese Ohnmacht, diese Hilflosigkeit, dieser nicht vorhandene Ehrgeiz den Versäumnissen entgegenzuwirken ist ja fast schon plakativ. Denn sonst wäre den Menschen ja längst geholfen worden. Denn sonst würde ihnen jetzt im Augenblick geholfen werden. Natürlich ist das eine Milchmädchenrechnung. Aber manchmal sind die naheliegenden Erklärungen für ein Problem, ein Versäumnis, einen Missstand eben auch die zutreffenden.

Warum wird nicht geholfen? Mit Flüchtlingen macht man keine Wählerstimmen? Ist es das? Oder ist es die Angst? Vor dem Fremden? Vor der anderen Kultur? Ängsten muss man begegnen. Wenn man sich ihnen nicht stellt, sondern die Opferrolle pflegt, wird die Angst lebensbestimmend.

Naheliegend ist auch, dass alles eine Kostenfrage ist. Es geht nicht nur immer um die Angst. Würde man einen Batzen Geld in die Hand nehmen. Würde man die Wirte leerstehender Pensionen ein bisserl bezuckerln und der Kirche ein wenig ins Körberl kollekten, gäbe es bestimmt plötzlich viele leere Betten die gewärmt werden wollen, könnten. Banken haben wir gerettet. Aber Menschen? Menschen lassen wir im Mittelmeer ertrinken und wenn sie es doch an Land schaffen. Dann überlassen wir sie wochenlang, monatelang, vielleicht sogar jahrelang sich selbst. Kümmern uns nicht. Nehmen sie nicht auf. Lassen sie jetzt im Regen stehen und in der Sonne brüten.

Wenn das Nicht-einschreiten, das Nicht-helfen tatsächlich beabsichtigt ist. Dann ist das nicht nur das abscheulichste, das ich je erlebt habe, wovon ich jemals gehört habe. Es ist auch ein schwerwiegender Fehler. Kurzsichtig und kurzfristig gedacht. Denn wenn Menschen in der Not nicht geholfen wird, sie nicht betreut werden, nicht psychisch gestützt werden, dann werden sie hart, kalt und krank. Wenn Menschen nicht angenommen werden, dann kapseln sie sich ab. Menschen, die sich abkapseln werden einsam. Einsamkeit belastet. Zerfrisst. Wer sich isoliert fängt an sein Umfeld zu hassen. Wer sein Umfeld hasst, der stellt eine Gefahr dar.

Und dann ist, wird die Angst eben doch begründet. Wenn das gewollt ist, dann wird die Lage eskalieren. Und dann haben wir eine Welt voller Rassisten. Voller Hass. Neid. Missgunst. Die Zuständigen machen sich schuldig. Die, die etwas tun hätten können. Tun könnten. Die da ganz oben. Nicht nur in Österreich. In ganz Europa. Fangt doch endlich den Ball. Denn sonst wird er zu Boden fallen. Und ins Tor rollen.

Ins Eigentor.

 

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