Sieger sind sie doch alle – irgendwie!

victory

 

Das schöne an Wahlen in Österreich ist ja: Jeder darf sich selbst zum Sieger erklären.

Othmar Karas (Spitzenkandidat ÖVP):“Wir haben alle unsere Wahlziele erreicht, wir sind als erste mit deutlichem Vorsprung durchs Ziel gegangen.“

Eugen Freund (Spitzenkandidat SPÖ): „Wir haben den Abstand zur ÖVP verringert und ein Plus vor dem Ergebnis.“

Harald Vilimsky (Spitzenkandidat FPÖ) spricht von einem Sensationsergebnis: „Ich bin mehr als zufrieden.“

Ulrike Lunacek (Spitzenkandidatin Die Grünen): „Es ist ein Supererfolg“, und, „das schönste Geburtstagsgeschenk aller Zeiten.“

 Angelika Mlinar (Spitzenkandidatin NEOS): Mehr als 8% der Stimmen zu erzielen, „das hat auf Anhieb noch niemand geschafft“.

 

Ja, Politiker haben es so gesehen echt nicht leicht. Während Sportler bei einer Niederlage bittere Tränen weinen dürfen, müssen Politiker nach dem Wettkampf, also der Wahl, alles schönreden, schönfärben, sich abputzen.

Denn, wenn sie ihre Niederlage eingestehen, erklären sie sich ja möglicherweise für rücktrittsreif. Politischer Harakiri ist hierzulande aber halt eher, nein, ist absolut unüblich. Ausserdem ist ja bekanntlich nach der Wahl, schon wieder vor der Wahl. Man bleibt auf der Bühne, streckt stolz die Brust heraus und erklärt sich selbst als Sieger. Ist oft wahrscheinlich schwieriger, als einfach das Handtuch zu werfen. Aber wir, das Volk könnten uns das ja auch zum Vorbild nehmen. Denn, wenn es beim Volk durchgeht, müsste ja auch der Arbeitgeber, als Teil des Volkes, Verständnis zeigen. Oder nicht?

 

Das nächste Mitarbeitergespräch könnte dann so ablaufen:

Ich hab 90% der Arbeit nicht erledigt? Hm? Nein, das sehen sie ganz falsch. Das stimmt so nicht und das würden sie auch erkennen, wenn sie richtig recherchiert hätten, Chef! Ich habe nämlich die 10%, die ich erledigt habe, zu 100% erledigt. Mehr habe ich ja auch gar nicht von mir selbst erwartet. Das Ziel, dass ich mir selbst zu Beginn meiner Tätigkeit gesteckt habe, nämlich 5% zu erledigen, habe ich sogar verdoppelt. Eines nach dem anderen! Jawohl. Und was sie hier vollkommen ausser Acht lassen, ich bin von Tag zu Tag besser geworden, habe mehr Prozent von den 10% erarbeitet. Das ist alles eine sehr positive Entwicklung. Das werden sie ja auch erkennen. Und überhaupt, schauen sie sich den Herrn Huber an, der macht um 10h Mittagspause, noch bevor er 2% seiner 5% erledigt hat. Das sollte ihnen zu denken geben!“

 

Noch ein kleiner Hinweis: Ausprobieren auf eigene Gefahr. Für Selbstversuche und den Fall einer fristlosen Kündigung übernehme ich keine Haftung.