Sag kein Wort

Medien und Politik: Sie lieben sich nicht, aber sie brauchen sich.

banane

Es gibt ja Dinge, die darf man wirklich nicht sagen. Dass in Saudi Arabien nicht jeden Freitag geköpft wird, zum Beispiel. Nicht einmal denken darf man das, denn damit ist die Seele eigentlich schon für immer verkauft. Wenn man so etwas ausspricht, könnte das sogar einen (verspäteten) Rücktritt zur Folge haben*. Und das tut wirklich weh. Die Seele verkauft haben schon viele, aber zurückgetreten? Von irgendwas? In Österreich? Das hat Seltenheitswert.

In Österreich ist überhaupt vieles ein bisschen anders. Eben auch das Verhältnis Politik und Medien. Da gibt es Dinge, die darf man zwar sagen, aber die hört niemand gerne:

Nämlich, dass Pressefreiheit zwar schön aussieht in der Verfassung. Aber in der Realität zuviel Freiheit auch nicht immer so gut ist. Man legt sich daher freiwillig ein Korsett an. Hände gehören gewaschen, denkt sich die Presse. Warum also wasche ich nicht deine und du meine, denkt die Politik. Gefälligkeitsjournalismus? Aber geh! Es ist ja nicht so, dass sich die Politiker Freibriefe kaufen. Über Inserate, oder so. Es ist ja nicht so, dass sich die Politiker aussuchen, wem sie ein Interview geben. Es ist ja nicht so, dass Journalisten gemieden werden, die unangenehme Fragen stellen. Es ist ja nicht so, dass der Bundeskanzler jahrelang den Auftritt in der vielleicht wichtigsten Nachrichtensendung des Landes verweigert. Aber nein. Wir leben vielleicht in einer medialen Bananenrepublik, aber doch nicht in einer Würstlfabrik.

Aber man darf ja nix mehr sagen. Nicht einmal, dass man nichts mehr sagen darf, darf man eigentlich sagen. Aber das ist ja auch egal. Weil ich habe ja auch eigentlich eh nix gesagt.

 

* Die ehemalige Justizministerin Claudia Bandion-Ortner tritt als Vize-Generalsekretärin des umstrittenen Abdullah-Zentrums für Interreligiösen Dialog zurück.