JournalistIN werden und sein

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Wenn du ÄrztIn werden willst, kommst du um ein Medizinstudium nicht herum. Willst du unterrichten, solltest du „auf Lehramt“ studieren. Willst du RettungssanitäterIN werden, musst du dich dazu ausbilden lassen. Aber wie wird man eigentlich Journalist? Eine verpflichtende Ausbildung gibt es keine. Der Großteil der Journalisten wird im Job ausgebildet*. Auch ich. Obwohl ich Kommunikationswissenschaften studiert habe. Aber nicht um Journalistin zu werden. Mich hat tatsächlich das Studium interessiert. Reisefotografin war mein eigentlicher Berufswunsch. Deshalb habe ich auch Ethnologie als Nebenfach gewählt und einen Fotografielehrgang besucht. Geworden bin ich dann aber doch Journalistin. With a little luck.

Ich durfte nämlich während dem Studium fast Vollzeit für ein Special-Interest-Magazin schreiben. (Verdienst: weit unter dem Mindestlohn, kein Urlaubsgeld, kein Krankengeld, keine Versicherung) Leisten konnte ich mir das nur, weil ich ein Scheidungskind bin und damals noch Alimente bekam. (Nur schlecht ist das also auch nicht.) Um mein Leben zu finanzieren, habe ich mich in der PR-Branche tageweise erniedrigt: In weißem, wallenden Gewand Steine im Supermarkt verteilt und dabei „Finde, dein TAO“ gerufen. Ich war als Weihnachtsengerl verkleidet und habe in Elektrofachgeschäften Hochdruck-Espresso gezapft. What else?

Als bereits fertige Frau Magistra durfte ich dann sehr wertvolle Erfahrung bei einem öffentlich-rechtlichen Fernsehsender in Deutschland machen. (Verdienst 75 Cent/Tag jaaaaaa Cent. Ich habe mich nicht vertippt. Cent. Nicht Euro. Bitte ich beschwere mich nicht, es soll ja auch tatsächlich unbezahlte Praktika geben) Leisten konnte ich mir das nur, weil ich gratis wohnen durfte. With a little help from my friends.

Es ist ja gar nicht so einfach einen Fuß in die Türe der Medienbranche zu bekommen, wenn du den Chefredakteursposten nicht gerade vererbt bekommen hast und die Freundin von der Mama nicht da den Freund hätte, der da jemanden kennt. Sagt man. Der Andrang ist groß. Es wollen viel mehr als können. Es heißt, du brauchst Vitamin B oder Glück. Ich hatte Glück. Aber um dort auch Fuß zu fassen, brauchst du dann doch etwas mehr: Vor allem Arbeitseifer. Faul sein darfst du nicht. Und: Fast alle, die es hineinschaffen sind Idealisten. Sie wollen verändern, verbessern, seriös arbeiten und wichtige „G’schichtn aufreissen“. Niemand ist dort, um sich einen lauen Lenz zu machen. Auf lazy sunday afternoons musst du bereit sein zu verzichten.

Reich wird man dabei eher auch nicht (Durchschnittseinkommen liegt bei 2600 Euro*). Die Branche ist einem ständigen Wandel unterworfen. Kein Stein bleibt lange auf dem anderen. Alles muss schnell gehen. Und Ruhm? Den gibt es nur für die Allerbesten. Oft bleibt allerdings der Spott auf dem Weg dorthin nicht aus. Fehler machst du immer öffentlich. Vor Lesern, Sehern, Hörern. Trotzdem würden die meisten Journalisten wieder Journalisten werden, wenn sie noch einmal die Wahl hätten*. Auch ich freue mich wieder auf meine Rückkehr nach der Karenz.

Ein Patentrezept für den Einstieg gibt es nicht. Aber wenn du mal drin bist: Einmal Journalist, immer Journalist. There’s no easy way out.

 

* Untersuchungsergebnisse der Journalistenstudie Österreich des ÖJC 2013