Der Islam ist auch beim Kasperl daham!

kasperl

 

Funktionierende Integration hat zwei Seiten. Und eine Kasperlvorführung einen Anfang und zum Glück auch ein baldiges Ende, da das kindliche Fassungsvermögen und Sitzfleisch begrenzt ist und auch Eltern irgendwann von Qualen erlöst werden müssen.

Aber was hat Integration mit dem Kasperl zu tun? Seit ich denken kann, gilt die Kasperlaufführung in Österreich irgendwie als unverzichtbare Kulturveranstaltung für die Kleinsten zur Förderung der frühkindlichen Entwicklung von Moralverständnis. Naja. Darüber kann man diskutieren, oder einfach hingehen, um zu schauen, ob es den Kindern denn gefällt. Entertainment ist manchmal alles. Also, um es kurz zu machen: Ich war dort.

Auf meinem Schoß der fast Vierjährige, als menschliche Armverlängerung das einjährige Jo-jo und neben mir eine Mutter mit Tochter. Während der Große dem ländlichen Akzent vom Pezi gebannt lauscht und laut „Jaaaa, wir sind alle da. Krawutzikaputzi“ ruft, fängt der Kleine an, mit der Mutter neben mir Kontakt aufzunehmen. Auch ich lächle ihr zu, wir halten Blickkontakt, kommen ins Gespräch. Was ich in der Disco Anfang 20 gelernt habe, wende ich heute gegenüber sympathisch wirkenden Müttern an. Wir unterhalten uns. Angeregt.

Als der Kasperl vorbei ist und sich unsere Wege trennen, bedankt sie sich bei mir, dass ich sie auf Deutsch angesprochen habe. Ich frage nach, ob das denn nicht oft vorkommt. Sie antwortet: „Noch nie ist mir das passiert. Das liegt halt an dem Kopftuch.“ Ich muss schlucken. Denn die Frau lächelt zwar, als sie das sagt, aber ich sehe den traurigen Ausdruck in ihren Augen.

Leute, so funktioniert Integration nicht. Diese Frau hat ihren Teil erledigt. Sie schleppt ihr Kind zum Kasperl, Pezi und Tintifax. Also müssen wir auch einen Schritt auf sie zu kommen.

Laut der aktuellen OGM-Umfrage sehen 62 Prozent der Österreicher das Zusammenleben von Muslimen und Nicht-Muslimen als „eher nicht so gut“ an. Und was machen wir? Wir (86%) fordern mehr Polizei-Präsenz in der Öffentlichkeit. Das ist ein grundfalsches Zeichen, das wir damit setzen. Und auch die Debatte, die jetzt geführt wird, ist nicht nur obsolet, sondern fast schon dumm. Wir sollten nicht darüber diskutieren, nicht einmal die Frage stellen, ob der Islam zu Österreich gehört. Denn wenn man darüber redet, ob jemand dazu gehört, schliesst man ihn schon automatisch aus. Und wer sich ausgeschlossen fühlt, wird traurig, wütend. Und zwar berechtigt.

Der Islam ist hier daham. Punkt. Und die Menschen, die der Religion angehören, (übrigens egal welcher) sollen sich auch so fühlen können. Das tun sie aber leider nicht, wenn sie ständig in gebrochenem Deutsch, oder auf Englisch, oder noch schlimmer gar nie angeredet werden.

DARÜBER SOLLTEN WIR REDEN. Und wenn es sein muss alle öfter zum Kasperl gehen. Mit Kopftuch oder ohne.

 

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