Ignorantes Pack

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Ich stehe im Bus. In meinen Armen ein schlafendes Kleinkind. Keine Hand frei, um mich festzuhalten. Der Bus ist voll. Alle Sitzplätze belegt. Niemand steht auf. Niemand bietet mir einen Platz an. Ich balanciere sie aus, die Bewegungen vom Bus. Versuche Gleichgewicht zu halten, nicht umzufallen.

Ignorantes Pack, denke ich. In einer Notsituation möchte ich nicht sein. Aber schon gar nicht möchte ich in einer Notsituation mit euch sein. Denn da hätte ich Glück, wenn ich nicht totgetrampelt werde.

Wir überstehen die Fahrt. Zum Glück ist es eine kurze. Ich verlasse den Bus. Aber der Gedanke bleibt. Sie haben mich angesehen, aber nicht hingesehen. Zu sehr sind sie, sind wir alle mit uns selbst beschäftigt. Die Empathie ist abhanden gekommen.

Wenn jemand aus dem Rahmen fällt. Zu dick ist. Hässlich. Wunderschön. Dann schaffen wir es nicht wegzusehen. Aber wenn Menschen Hilfe benötigen werden wir langsam blind.

Wenn wir nicht einmal für die Menschen direkt vor unseren Augen genug Einfühlungsvermögen besitzen? Wenn wir nicht einmal einer Frau helfen können eine harmlose Busfahrt mit ihrem Kind zu überstehen? Wie sollen wir uns dann hineinversetzen können in die Menschen, die ihr Leben riskieren, um es zu retten? Wieso sollen wir den Menschen helfen wollen, die eine Reise ins Ungewisse antreten, eine Reise bei der es ohnehin schon um Leben oder Tod geht.

Ignorantes Pack, das sind wir. Die Hölle, das sind wir*. Nicht die anderen. Manchmal schäme ich mich Mensch zu sein.

PS: Diese Gemeinde in Österreich, in der es keinen einzigen Platz gibt für einen einzigen Menschen auf der Flucht. Diese Gemeinde muss erst gegründet werden.

 

 

*frei nach Sartre