Hast du einen Traum?

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In meinem letzten Eintrag habe ich ausschließlich über mich selbst geschrieben. Über meinen kleinen Traum, den ich früher gehütet habe, wie ein Geheimnis. Weil ich Angst hatte ihn frei zu lassen. Weil ich Angst hatte vor den Reaktionen der Anderen. Angst hatte, ausgelacht zu werden. Und noch immer Angst davor habe, dass dieser Traum nie wahr wird.

Doch jetzt kennen alle meinen Traum und ich spreche viel darüber. Fast jede/r, die/den ich treffe, spricht mich darauf an. Sollte er nie in Erfüllung geht, werden alle wissen, dass ich meinen Traum austräumen musste. Bemitleiden mich dann, oder schlimmer noch, sie lachen vielleicht hinter vorgehaltener Hand darüber. Über eine, die es versucht, aber nie geschafft hat. Träume machen verletzlich. Dabei sind Träume doch so schön, weil sie individuell sind. Sie sind das, was uns wirklich ausmacht. Sie machen uns zu dem Menschen, der wir wirklich sind.

Ich rede nicht von den Träumen, die wir alle haben, die wichtiger sind, über allem stehen: Die Gesundheit unserer Familie, noch vor unserer eigenen Gesundheit. Lieben und geliebt zu werden. Möglichst sorgenfrei zu leben.

Ich rede auch nicht von dem Traum eines einzigartigen Menschen, den 51 Jahre später noch immer nicht alle träumen, und von dessen Erfüllung wir noch immer sehr weit entfernt sind. Nämlich, dass endlich jeder kapieren muss, dass kein menschliches Leben mehr, oder weniger wert ist, als ein anderes. Gerade heute ist dieses Thema wieder brandaktuell. Wenn ich den Aufruf „Nie wieder Judenhass“ sehe, frage ich mich, wie schlimm es um uns alle steht. Ich will in einer Welt leben ohne Rassismus, Antisemitismus und Hass. Was muss man für ein Mensch sein, wenn man sich das nicht wünscht, frage ich mich. Aber dieser Traum ist zu groß, um hier in ein paar Zeilen darüber zu schreiben.

Ich rede von unseren kleinen Träumen. Sie begleiten uns jeden Tag. Wir stehen mit ihnen auf. Und wir denken an sie, wenn wir schlafen gehen. Aber wir reden kaum über sie. Über das Wetter, über den neuesten Shitstorm, über die Arbeit, ja wir reden sogar eher über unsere Probleme, als über unsere Träume.

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Und das finde ich schade. Ich würde gerne eure kleinen Träume kennen. Von jedem von euch. Nicht mehr fragen: „Lange nicht mehr gesehen. Wie geht’s denn so?“, sondern, „Hast du einen neuen, kleinen Traum. Oder vielleicht einen alten, den du nach vielen Jahren immer noch träumst?“

Ich fange gleich bei meinem kleinen Sohn an, den ich fast besser kenne, als er sich selbst. Doch nur fast. Denn ich weiß nicht, was sein kleiner Traum ist. Seine Antwort lautete: „Mein Traum ist ganz weit, weit weg. In Kalifornien.“

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Träume sind etwas wunderschönes. Selbst, wenn sie irgendwann einmal zerplatzen sollten. Deshalb sollten sie uns nicht verletzlich machen, sondern uns stärken. Weil wir die Fähigkeit besitzen, sie zu träumen.

 

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