Ein Laberl bitte

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Schauplatz: Fleischer

Bühnenbild: In der Auslage befinden sich fünf Fleischlaberl*

Ich: „Bitte ein Fleischlaberl“

Fleischerin nickt, greift nach dem Laberl, um es einzupacken.

Ich betrachte die vier übrig gebliebenen Laberl genauer, überlege kurz: Darf man Fleischlaberl überhaupt trennen, auseinanderreissen, alleine halten?

Ich: „Bitte geben sie mir die vier anderen Fleischlaberln auch.“

Fleischerin hält kurz inne, schüttelt den Kopf und sagt traurig: „Ja, aber dann sind ja alle weg.“

Ich: „Ja, freut sie das denn nicht?“

Fleischerin: „Nein, dann muss ich ja neue Fleischlaberln machen.“

Achso“, sage ich und habe fast ein schlechtes Gewissen. Dann aber kommt mir der rettende Gedanke, wie ich die Frau aufheitern kann.

Sie haben jetzt alle verkauft. Sie machen Gewinn. Darum geht es doch bei einem Geschäft.“

Die Frau seufzt und sagt schwermütig: „Jo, eh.“

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Mist. Jetzt fühle ich mich schlecht, sagt mir mein Herz. Obwohl mir mein Kopf sagt, dass ich alles richtig gemacht habe. Dass es mein Recht als fleischfressender Kunde ist, etwas zu kaufen. Dennoch kann ich sie verstehen. Ich will ja selbst auch keine Fleischlaberl kneten. Genau deshalb kaufe ich sie fertig. Trotzdem tut es mir leid, dass die Frau Fleischerin offensichtlich weder Spaß hat am Zubereiten, noch am Verkaufen hat. Schade, dass wir nicht immer nur Dinge tun können, die wir gerne machen. Aber eines weiß ich: Wir erledigen unsere Aufgaben lieber, wenn wir dafür gelobt werden, ein gutes Feedback bekommen. Morgen werde ich sie besuchen und ihre Fleischlaberln in den höchsten Tönen loben. Vielleicht verkauft sie mir dann lieber ihre Ware. Oder ich gehe einfach gar nicht mehr hin, aus Angst etwas zu kaufen, das sie dann wieder neu zubereiten muss. Könnte sogar ein Grund sein, sich das mit dem fleischlos leben noch einmal zu überlegen. Und warum sind sie Vegetarierin? Ich habe Angst vorm Fleischkauf. Aber da ein Grillwochenende bevorsteht, werde ich mich doch eher für Variante 1 entscheiden. Nur leider ist mir jetzt der Appetit vergangen, nachdem ich das Wörtchen Fleischlaberl so oft getippt habe.

Wunderbares, sonniges Wochenende allen!

* Frikadellen, Köttbullar nur größer und flacher

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