Don’t mess around

stapfen

Irgendwann kommen alle in ein Alter, in dem sie besser, schneller, größer, älter sein wollen. Sie messen sich mit anderen. Meist passiert das im Kindergarten. Was tun dann die Eltern, die alles richtig machen wollen? Klugscheißen und Sätze daher labern, wie „Du bist großartig, so wie du bist.“ Sie loben. Sie bauen auf. Sie ermutigen. Dabei denken sie selbst in Latten und Gewichten. Vergleichen, messen sich selbst und das, was sie tun. Ständig. Das hört also nach dem Kindergartenalter nie wieder auf.

Wir Menschen sind schon komisch. Eine Studie hat jetzt gezeigt, dass wir nach dem Händeschütteln unbewusst an unserer Hand schnüffeln, um Informationen über unsere Gesprächspartner zu bekommen*. Und gleich danach schon fangen wir an uns untereinander zu vergleichen. Also wir sind Instinkthybride auf dem Niveau von Hund und Kindergartenkind.

Der Hubsi kann zehn Bier trinken und immer noch gerade stehen, denkt der Franzi. Und alle lachen über seine Witze. Die Gabi weiß sogar auf eine dumme Frage eine kluge Antwort, denkt die Monika. Und tolle Haare hat sie auch noch.

Ich nehme mich da gar nicht aus. Vor kurzem habe ich gelesen, dass man nur Karriere macht bevor man 35 ist. Danach macht man sie eben nicht mehr. Rein statistisch. Oh Oh, habe ich gedacht. Was mache ich jetzt nur? Mit 34 1/4? Ja, was mache ich denn? Eh klar, mich fertig. Anstatt zu überlegen, ob ich überhaupt Karriere machen will, denke ich daran, wer aller in meinem Umfeld gerade Karriere macht.

Doch das ist der falsche Denkansatz. Den schiebe ich beiseite und ziehe einen richtigen Schluss daraus: Nimm nicht alles, was du liest so ernst. Vor allem Experimente, Studien und Untersuchungen nicht. (Das fällt mir gar nicht so leicht, wo ich doch an eine Wissenschaft glaube.)

Aus folgenden Gründen: Ich bin mir nicht so sicher, ob ich wirklich an Händen schnüffle. Und ich bezweifle stark, dass die Macher von der eben veröffentlichten Studie Wie Eltern kleine Kinder zu narzisstischen Kaisern erziehen** von dieser Studie wussten, die bereits im Vorjahr erschienen ist: Narzissten sind die Aufsteiger, die Chefs in unserem Büro***

So übel ist das also gar nicht für diese kleinen Kaiser, finde ich. Also für die Chefs von morgen. Sie haben einen entscheidenden Vorteil: Sie gewinnen, wenn sie sich vergleichen. Ich weiß dafür, dass JEDER Mensch einzigartig ist. Deshalb schnüffle ich meinetwegen weiter an Händen und stecke mehr Energie, in das, was und wer ich bin. Und nicht in das, was andere sind.

Allerdings einen Vergleich erlaube ich mir zum Schluss doch noch anzustellen: Ray Charles singt „Mess around“ definitiv besser als die Chipmunks.

 

*http://elifesciences.org/content/4/e05154

**http://www.sueddeutsche.de/wissen/narzissmus-wenn-aus-kindern-kleine-kaiser-werden-1.2385467#

***http://kurier.at/karrieren/management/narzissten-sind-die-aufsteiger/98.380.303