Das Schlimmste steht uns immer noch bevor.

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Ich spiele nie Lotto. Einmal habe ich. Da wurde ich von meinen damaligen Arbeitskollegen in die Trafik geschleift und dazu gezwungen. Weil sie herausgefunden hatten, dass ich noch Quicktippjungfrau war. Ich ging davon aus zu verlieren. Wahrscheinlichkeitsrechnung war so quasi das einzige Kapitel, das mir im Mathematikunterricht logisch erschienen war. Das brachte mir dann auch tatsächlich den einzigen Einser in der Oberstufe ein. Jedenfalls einmal Pessimistin, immer Pessimistin. Dachte ich, nachdem ich im Lotto – oh welch Überraschung – keinen Einser hatte. Nicht einen einzigen Treffer.

Ich war der festen Überzeugung, ich hätte mein Lebensglück schon aufgebraucht, weil ich im Kindergarten bei der Tombola einen Toaster gewonnen hatte, mit dem ich als Vierjährige wahnsinnig viel anfangen konnte. Doch der Toaster funktioniert immer noch. Das sind die kleinen Wunder des Lebens. Der Toaster und, dass ich einen Verlag gefunden habe. Doch wie geht es jetzt weiter?

Als ich angefangen habe zu schreiben, wusste ich nicht, dass aus den ersten Zeilen einmal ein Buch werden würde. Und was mir auch nicht klar war: Dass es da draussen von Mirs nur so wimmelte. Damit meine ich andere Bücher verfassenden Tipperlinge. Man denkt ja immer, man sei was ganz Besonderes. Aber schaut man genauer hin: Nop! Macht irgendwer irgendwas noch zum allerersten Mal auf dieser Welt? Es ist ja alles schon einmal von irgendjemandem gemacht worden. Alles schon gesagt worden. Geschrieben worden. Nur in einer anderer Form. Und selbst die Formen gehen langsam aus. Sogar Fresshybride, wie Pizza-Cheeseburger gibt es schon.

Als ich fertig war dachte ich, ich finde schon einen Verlag. Oder der findet halt mich. Ich wartete also, schmökerte in Schriftstellerratgebern, surfte in Schriftstellerforen, besuchte Schriftstellerseminare und überall hörte ich das Gleiche: Buch schreiben ist ja leicht. Aber einen Verlag finden: Das ist die Via dolorosa der Schreiberzunft.

Leiwi“, dachte ich sinngemäß so für mich. Nicht wortwörtlich, denn so ein Wort denke ich nicht. „Wenigstens ist’s dann nicht so schlimm, wenn ich keinen finde.“ So denken sie eben die Pessis. Erfreuen sich am selbstprophezeiten Scheitern. Mein Umfeld aber, gespickt mit Optis, trat mir in den Allerwertesten: Ein Versuch wär’s doch wert. (Danke hierfür)

Und was ist passiert: Ich habe einen Verlag gefunden. Also informiere ich mich jetzt langsam weiter, step by step uuuuh baby, und was finde ich da:

Buch schreiben kann jeder. Das schwierigste aber, das ist das zweite Buch, heißt es. Geh bitte. Zum Teufel noch einmal. Lasst’s mich in Ruhe ihr ewig herumsudernden und alles miesredenden Schlechtdenker. Ich werde mich nicht unterkriegen lassen. Ich schreibe ein zweites Buch. Bin schon dabei. Noch nicht mittendrin, aber am Anfang.

Und mit dem Pessimismus ist’s jetzt einmal Schluss. Denn sonst geht das ja ewig so weiter. Bis zum Sterben. Und das will ich eigentlich nicht. Das ist nämlich die ultimative Herausforderung im Leben. Wer das schafft, der hat’s echt geschafft: Sterben. Zufrieden sterben. It’s easy to die when all the birds are singing in the sky. 

Mit dem Lottospielen fang ich trotzdem nicht mehr an. Ich glaube nämlich nicht ans Glück. Aber ich glaube an das Glücklich-sein! Now that the spring is in the air.

 

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