An die halben Männer

fasching

Dieses Mal richtet sich mein Blogeintrag an die sich bereits fortgepflanzte, männliche Landbevölkerung. Bevor ich allerdings loslege, will ich aber noch eines klar machen: Es gilt die Unschuldsvermutung. Was ich hier schreibe, beruht auf keiner Empirie, sondern alleine auf der Beobachtung, die ich beim Kinderfaschingsgschnas in unserem Dorfe gemacht habe.

Da nämlich wurde getanzt, gehüpft, gegessen und getrunken. Oder besser gesagt, Frauen und Kinder sind gehüpft, haben getanzt und gegessen. Die meisten Männer? Die sind an der Bar gestanden und haben Bier getrunken. Natürlich gab es Ausnahmen. Ein Mann stach besonders hervor, da er sehr groß war und sich alleine um seine zwei Töchter kümmerte. Was man ihm vorwerfen kann: Die Kostümwahl. Er war als Indianer verkleidet. Und das darf man heute nicht mehr, habe ich gehört. Weil das politisch verwerflich ist. Aber ganz ehrlich, wir sind am Land und da mahlen die Mühlen langsamer. Ich finde, es sei ihm verzeihen. Es gibt Schlimmeres. Viel Schlimmeres:

Wir leben in einem Land, in dem Nationalratsabgeordnete den Begriff „Neger“ für unproblematisch halten*. Wir leben in einem Land, in dem die Justiz die Äußerung „Ich könnte alle Juden töten. Aber ich habe einige am Leben gelassen, um euch zu zeigen, wieso ich sie getötet habe“, als „Unmutsäußerung gegen Israel“ betitelt**. Ernsthaft! Wir leben in einem Land, in dem die Polizei Hitler- und Kühnengrüße nicht sehen will, um die Situation nicht aufzuschaukeln***.

Ich schweife ein wenig ab, aber nur weil es so gut zum Thema passt. Zurück also zum Gschnas. Der als amerikanischer Ureinwohner verkleidete Mann tanzte. Mit den kleinen Prinzessinnen, Drachen, Polizisten, Wikingern und Spidermännern. Sie alle, ja auch ich, wir, die ganze Familie. Denn wir sind als Ex-Städter ja integrationswillig. Wir hüpften, klatschten und schwangen die Hüften zu ohrenbetäubendem Pippi-Langstrumpf-Tekkno. Ich gebe zu: Mein Geist musste zwar dafür den Körper verlassen, aber ich ließ mir nichts anmerken. Denn Zweck heiligt die Mittel: I’m doing it for the kids.

Während die Frauen und ganz, ganz wenige Männer auf der Tanzfläche langsam alle Hemmungen abschüttelten, stand der Großteil der männlichen Besucher jenseits der ersten Altersdekade abgeschirmt mit der Hüsn hinter der Bar. Das Bild, das sie dabei abgaben: Nicht das des modernen Mannes, sondern das eines halben. Denn sie haben das Prinzip Halbe-Halbe einfach nicht kapiert. Gut, kann natürlich sein, dass ihre Frauen von Montag bis Freitag 40-60h arbeiten gehen und die Männer sich ganz- bis halbtags um den Nachwuchs kümmern. Jedem sei eine Kinder-Auszeit vergönnt. Aber bitte machen wir uns nichts vor: Die Statistik spricht gegen sie.

Also liebe Männer: Nur damit ihr später nicht bereut, in Zeiten der Emanzipation nur ein halber Landsmann (in Bobostan und innerhalb des Gürtels würde sich das nämlich kein echter Mann mehr erlauben) gewesen zu sein: Eure Kinder werden sehr schnell groß. Trinken mit euren Kompagnons könnt ihr dann immer noch.

Und an die weibliche Landbevölkerung: Tretet euren Männern doch einfach mal in den Allerwertesten, wenn sie diesen nicht bewegen: Ihr habt euch nämlich auch mal ein Bier an der Bar verdient. 

Lei Lei!

 

* http://derstandard.at/1395364746521/Ein-Neger-ist-ein-Neger

** http://www.ots.at/presseaussendung/OTS_20150211_OTS0056/oeig-empoert-oesterreichische-justiz-legitimiert-antisemitische-hetze-als-unmutsaeusserung-gegenueber-israel

*** Polizei Interview bezüglich PEGIDA-Demo PULS 4 News am 3. Februar 2015