Ach was reg‘ ich mich auf!

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Ich hoffe, ihr habt die Überschrift richtig gelesen und nicht falsch gedeutet. Es fehlt nämlich das ÜBERHAUPT darin. Ganz bewusst. Grün und donaublau ärgere ich mich nämlich. Warum? Nicht wegen der Steuern. Das spar ich mir. Auch nicht wegen der epidemisch gewordenen Impfdebatte. Die spritz ich. Und auch nicht wegen der totgesagten Homöopathie. Der gebe ich freiwillig das letzte Kügelchen.

Nein, ich rede über die Donau, so blau. Ach was von wegen blau! Drecksplastikseuchengschloderwossa.

Ich war einmal in Rumänien. Im Donau-Delta um genau zu sein. Beschreiben werde ich nicht, wie es dort aussieht. Ansatzweise könnt ihr es am Titelfoto erahnen. Denn ihr müsst es selbst gesehen haben. Aber beeilt euch, denn bald ist möglicherweise Schluss mit wunderschönem Fluss.

Ein Thema diese Woche ist nämlich leider untergegangen: Plastik. Im wahrsten Sinne.

Faktum ist, es gibt keinen Grenzwert für die Industrie Plastikmüll in die Donau zu leiten. KEINEN GRENZWERT! Das bedeutet, es kann unbegrenzt Plastikmüll in die Donau geleitet werden. Und das hat Folgen. Schwerwiegende Folgen, die schon längst bekannt waren.

Mai 2014: Die Verschmutzung ist so weit fortgeschritten, dass zwischen Wien und Bratislava mehr Plastikpartikel als Fischlarven im Uferbereich der Donau gefunden wurden. Eine Hochrechnung ergibt, dass täglich 4,2 Tonnen Plastikmüll von der Donau im Schwarzen Meer landet. Das besagt damals schon eine Studie der Universität Wien.

Juni 2014: Ein Antrag der Grünen auf Grenzwerte für Mikroplastik wird von der Regierung vertagt. (Warum eigentlich?)

Jetzt: 40 Tonnen Plastik landen jährlich in Österreich in der Donau, ergibt eine neue Untersuchung des Umweltbundesamtes. Eine Studie der Universität Wien sagt, dass rund 80% aus der Industrie stammt. Also kündigt Umweltminister Rupprechter einen 10-Punkte-Plan an. Die Industrie könnte auf freiwilliger Basis…..und er will einen EU-weiten einheitlichen Grenzwert erreichen.

Wieso erst jetzt? Und warum geht Österreich nicht schon einmal als gutes Beispiel für die anderen Donauanrainerstaaten voran?

Ja, das ist es, was mich diese Woche aufregt. Auch wenn ich vielleicht die einzige bin. Denn ich denke an laue Abende in Kritzendorf. Ich denke an den vielleicht sogar schönsten Urlaub meines Lebens im Donau-Delta. Ich denke an Radtouren, die auf der Insel begannen, in der Wachau wendeten. Ich denke an Angelnachmittage am Mühlwasser. An Fotoausflüge in den Auen. Ich denke an heiße Sommernachmittage im Strandbad. Dort, wo wir uns in zwanzig Jahren vielleicht ärgern werden, wenn wir unsere Zehen in das kühle, nasse Plastik tauchen werden.

 

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