Archiv für den Monat: Juli 2015

Hab‘ keine Angst!

asyl

Gesucht: Angstfreie Asylpolitik

Kontakt und Ansprechperson: Kollegen gibt es derzeit leider noch nicht viele. Wenn sie nicht wissen, wie man hilft, fragen sie die Österreichische Bevölkerung. Die hat in den letzten Wochen vorgemacht, wie das geht.

Aufgabenbereich:

Helfen

Ängste nehmen und nicht schüren,

Menschen, die dringend Hilfe brauchen willkommen heißen.

Jedes Dorf, jede Gemeinde darf hier mitmachen und dabei gewinnen. BürgermeisterInnen sind herzlich eingeladen am Gewinn teilzuhaben.

Die sollten dann im Idealfall (für alle) für humanitäre Unterbringen und Verpflegung sorgen.

(Geht nicht, gibt’s nicht: Tote Banken haben wir um Milliarden Euro gerettet, eine leerstehende Pizzeria haben wir um 870.000 Euro gerettet, also werden wir auch Menschenleben sichern können.)

Arbeitszeit: Eventuell sogar einmal sonntags. Ist in Österreich eher unüblich, aber die Bevölkerung hat in den letzten Wochen bewiesen, dass man auch am Sonntag helfen kann. Sogar wenn das Thermometer über 30 Grad steigt. (Keine Angst: Schnitzerl und Bier geht sich sicher irgendwie trotzdem aus!)

Teamarbeit: Leider sind sie anfangs noch viel allein. Doch Gutes tun ist nicht per se etwas Schlechtes. Wenn man es vormacht, schließen sich ganze Massen an. Vielleicht sogar eventuell die Angstmenschen. Die Bevölkerung steht jedenfalls zu einem großen Teil hinter ihnen. Sie hat in den vergangenen Wochen in ihrem Job Vorarbeit geleistet und wird ihnen sicher behilflich sein. Und sie dann wahrscheinlich sogar wählen, wenn sie ihre Sache gut machen. (Nur kein Angst haben. Denn mal ehrlich: Wer wählt schon gerne einen Angstmenschen?)

Angst: Brauchen sie wirklich nicht haben. Ja, zugegeben die Menschen, die da kommen sind furchteinflößend. Denn es macht Angst mitanzusehen, wenn jemand alles verloren hat. Aber wer hilft, nimmt ein Stückchen Angst. Der Angst sollte man nicht mit Angst begegnen. (Abschreckendes Ergebnisbeispiel: Dann werden Angstmenschen zu Angstmenschen mit Softair-Gewehren)

Arbeitsmotto: Tue Gutes und zeig‘ es auch. Hab‘ keine Angst!

 

Wer das gerne gelesen hat, wollte noch lieber das lesen.

Träumen von Traiskirchen

trais

Vor dem Einschlafen soll man an etwas Schönes denken, heißt es. Gestern habe ich an den 10-jährigen Buben gedacht, dem wir einen Fußball geschenkt haben. Unser Kofferraum war voll. Voll mit Spenden großzügiger Menschen. Ein ferngesteuertes Auto war auch dabei. Neu. Originalverpackt. Er wollte es nicht. Er lächelte und schüttelte den Kopf. Er wollte nur den Fußball.

Ein schöner Gedanke, der ein trauriger wird, wenn ich weiterdenke. Was hat der Bub dann gemacht? Ist er zurück gegangen ins Lager? Hat er stundenlang gekickt? Alleine? Hat er etwas zu essen bekommen? Ist er satt geworden? Wo schläft er jetzt? Draussen? Unter einem Baum? Auf einer Matte? Am Boden? Hat er eine Decke? Wird er irgendwann wieder ein zu Hause haben? Hat er noch eine Mutter? Geschwister?

Irgendwann bin ich eingeschlafen. Das geht nur, wenn man verdrängt. Ich habe lange überlegt, ob ich das hier schreiben soll. Doch ich habe einige Gründe gefunden, warum es wichtig ist, das hier zu erzählen.

  1. Es ist verdammt einfach, etwas zu tun. Am Mittwoch habe ich gepostet: Wir fahren nach Traiskirchen! Wer will spenden? Menschen haben sich gemeldet. Haben gespendet. Wir sind nach Traiskirchen gefahren. Fertig. Es war so einfach. Viel einfacher als man denkt.
  2. Viele helfen, aber wie lange noch? Ausser uns waren noch andere Leute da. Haben ihren Kofferraum geleert. Doch was ist, wenn diese Welle der Hilfsbereitschaft abreisst? Und das wird sie, wenn die Medien aufhören zu berichten. Spätestens wenn irgendeine Katastrophe das Sommerloch stopft.
  3. Ein Zeichen setzen. Die Menschen, die in Traiskirchen untergebracht sind merken, dass da Menschen sind, die sich kümmern. Das zählt auch. Vielleicht sogar mehr als die furchtbaren Hasspostings im Internet. Die herzlosen Kommentare. Die Lähmung mancher Behörden, das Wegsehen mancher Politiker. Flüchten zu müssen, endlich in Sicherheit zu sein und sich dann nicht willkommen zu fühlen. Eigentlich unvorstellbar.
  4. Dummerweise sind es nicht die Spenden, die zählen. Sie sind ein brennheisser Tropfen auf einen glühenden Stein. Was die Menschen in Traiskirchen brauchen ist Sicherheit. Ein Bett. Ein zu Hause.

Liebe BürgermeisterInnen, liebe Gemeinden, liebe Landesregierungen! Tut etwas! Die Bereitschaft zu helfen ist da! Lasst die Hetze nicht stärker werden als die Hilfsbereitschaft. Damit wir alle gute Gedanken haben können, bevor wir einschlafen. An den Buben denken können. Der mit seinem Ball im Arm einschlafen kann. Satt. Mit einem Dach über den Köpfen seiner Familie.

traiskirchen

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