Archiv für den Monat: April 2015

Wir machen die Nachrichten. Wir alle!

Was uns am Vormittag gefällt, das lesen wir am Nachmittag. Was wir am Nachmittag aufrufen, das können wir wenige Stunden später in den Abendnachrichten im Fernsehen verfolgen. Mit unseren Klicks machen wir die Nachrichten. Natürlich nicht ausschließlich. Aber zu einem bedeutenden Teil. Die Theorie vom Schleusenwärter muss längst umgeschrieben werden. Gatekeeper sind die Klicker. Meinungsmacher sind die Surfer. Denn ohne dem Internet wäre „Strache fällt auf Schnitzel-Scherz hinein“ höchstens ein Lacher am Stammtisch geworden. Würde aber mit Sicherheit nicht die Medienlandschaft für Stunden dominieren. Mag der Witz noch so lustig sein. (An dieser Stelle: Chapeau! Ich bin auch darauf reingefallen. Ich fand die Idee gut. Und noch lustiger fand ich natürlich, dass HC Strache sich öffentlich darüber echauffiert hat und ins Fettnäpfchen gefallen ist. Und auch, dass sich das über Twitter und Facebook verbreitet ist wünschenwert und legitim.) Aber, dass es die Qualitätszeitung Presse mit der Aprilscherzente nicht nur in die Boulevardblätter geschafft hat, darüber kann man jetzt diskutieren. Ist das tatsächlich eine Nachricht?

Quelle: derstandard.at

Quelle: derstandard.at

Quelle: oe24

Quelle: oe24

Quelle: heute

Quelle: heute

Warum schafft es die falsche Nachricht in die Nachrichten? Weil uns das gefallen hat. Weil wir die Schadenfreude geteilt haben. Viele tausende Male. Wer sich also darüber beschwert, wie Nachrichten gemacht werden, welche Nachrichten ausgewählt werden, welch unüberschaubare Menge an Nicht-Information uns erreicht, kann die Medienlandschaft zu einer positiven Entwicklung verhelfen, indem er sich ganz genau überlegt, welche Nachrichten er konsumiert. Klicke ich den Liveticker zur Flugzeugbergung? Klicke ich den Gabalier-Sager bei den Amadeus-Awards? Klicke ich was Hulk Hogan über Josef F. sagt? Ja? Dann darf ich mich nicht darüber beschweren mit diesen Informationen versorgt zu werden. Wenn ich mir bei der Feinkostabteilung einen faulen Eiersalat hole, werde ich mich aufregen. Wenn das nochmal passiert, gehe ich da nicht mehr hin. Warum sollte ich mit fauler Information anders umgehen. Beides schlägt mir auf Dauer auf den Magen. Wir sind mündige Menschen. Wir können wählen, was wir lesen, was wir konsumieren, was wir einschalten. Das ist der neue Vorteil der sich ständig wandelnden Medienlandschaft. Wir entscheiden! 

Nicht nur die Medien müssen sich heutzutage strenger selbst kontrollieren. Sondern auch die Leser, die Käufer, die Zuseher haben die Möglichkeit dies zu tun. Wenn ich etwas nicht lesen will, dann sollte ich es vielleicht besser nicht klicken. Denn wir alle machen irgendwie was mit Medien.

Wer das gelesen hat, wollte auch das hier lesen.