Archiv für den Monat: Februar 2015

Das Schlimmste steht uns immer noch bevor.

opti

Ich spiele nie Lotto. Einmal habe ich. Da wurde ich von meinen damaligen Arbeitskollegen in die Trafik geschleift und dazu gezwungen. Weil sie herausgefunden hatten, dass ich noch Quicktippjungfrau war. Ich ging davon aus zu verlieren. Wahrscheinlichkeitsrechnung war so quasi das einzige Kapitel, das mir im Mathematikunterricht logisch erschienen war. Das brachte mir dann auch tatsächlich den einzigen Einser in der Oberstufe ein. Jedenfalls einmal Pessimistin, immer Pessimistin. Dachte ich, nachdem ich im Lotto – oh welch Überraschung – keinen Einser hatte. Nicht einen einzigen Treffer.

Ich war der festen Überzeugung, ich hätte mein Lebensglück schon aufgebraucht, weil ich im Kindergarten bei der Tombola einen Toaster gewonnen hatte, mit dem ich als Vierjährige wahnsinnig viel anfangen konnte. Doch der Toaster funktioniert immer noch. Das sind die kleinen Wunder des Lebens. Der Toaster und, dass ich einen Verlag gefunden habe. Doch wie geht es jetzt weiter?

Als ich angefangen habe zu schreiben, wusste ich nicht, dass aus den ersten Zeilen einmal ein Buch werden würde. Und was mir auch nicht klar war: Dass es da draussen von Mirs nur so wimmelte. Damit meine ich andere Bücher verfassenden Tipperlinge. Man denkt ja immer, man sei was ganz Besonderes. Aber schaut man genauer hin: Nop! Macht irgendwer irgendwas noch zum allerersten Mal auf dieser Welt? Es ist ja alles schon einmal von irgendjemandem gemacht worden. Alles schon gesagt worden. Geschrieben worden. Nur in einer anderer Form. Und selbst die Formen gehen langsam aus. Sogar Fresshybride, wie Pizza-Cheeseburger gibt es schon.

Als ich fertig war dachte ich, ich finde schon einen Verlag. Oder der findet halt mich. Ich wartete also, schmökerte in Schriftstellerratgebern, surfte in Schriftstellerforen, besuchte Schriftstellerseminare und überall hörte ich das Gleiche: Buch schreiben ist ja leicht. Aber einen Verlag finden: Das ist die Via dolorosa der Schreiberzunft.

Leiwi“, dachte ich sinngemäß so für mich. Nicht wortwörtlich, denn so ein Wort denke ich nicht. „Wenigstens ist’s dann nicht so schlimm, wenn ich keinen finde.“ So denken sie eben die Pessis. Erfreuen sich am selbstprophezeiten Scheitern. Mein Umfeld aber, gespickt mit Optis, trat mir in den Allerwertesten: Ein Versuch wär’s doch wert. (Danke hierfür)

Und was ist passiert: Ich habe einen Verlag gefunden. Also informiere ich mich jetzt langsam weiter, step by step uuuuh baby, und was finde ich da:

Buch schreiben kann jeder. Das schwierigste aber, das ist das zweite Buch, heißt es. Geh bitte. Zum Teufel noch einmal. Lasst’s mich in Ruhe ihr ewig herumsudernden und alles miesredenden Schlechtdenker. Ich werde mich nicht unterkriegen lassen. Ich schreibe ein zweites Buch. Bin schon dabei. Noch nicht mittendrin, aber am Anfang.

Und mit dem Pessimismus ist’s jetzt einmal Schluss. Denn sonst geht das ja ewig so weiter. Bis zum Sterben. Und das will ich eigentlich nicht. Das ist nämlich die ultimative Herausforderung im Leben. Wer das schafft, der hat’s echt geschafft: Sterben. Zufrieden sterben. It’s easy to die when all the birds are singing in the sky. 

Mit dem Lottospielen fang ich trotzdem nicht mehr an. Ich glaube nämlich nicht ans Glück. Aber ich glaube an das Glücklich-sein! Now that the spring is in the air.

 

Wer das gelesen hat, wollte auch das hier lesen.

An die halben Männer

fasching

Dieses Mal richtet sich mein Blogeintrag an die sich bereits fortgepflanzte, männliche Landbevölkerung. Bevor ich allerdings loslege, will ich aber noch eines klar machen: Es gilt die Unschuldsvermutung. Was ich hier schreibe, beruht auf keiner Empirie, sondern alleine auf der Beobachtung, die ich beim Kinderfaschingsgschnas in unserem Dorfe gemacht habe.

Da nämlich wurde getanzt, gehüpft, gegessen und getrunken. Oder besser gesagt, Frauen und Kinder sind gehüpft, haben getanzt und gegessen. Die meisten Männer? Die sind an der Bar gestanden und haben Bier getrunken. Natürlich gab es Ausnahmen. Ein Mann stach besonders hervor, da er sehr groß war und sich alleine um seine zwei Töchter kümmerte. Was man ihm vorwerfen kann: Die Kostümwahl. Er war als Indianer verkleidet. Und das darf man heute nicht mehr, habe ich gehört. Weil das politisch verwerflich ist. Aber ganz ehrlich, wir sind am Land und da mahlen die Mühlen langsamer. Ich finde, es sei ihm verzeihen. Es gibt Schlimmeres. Viel Schlimmeres:

Wir leben in einem Land, in dem Nationalratsabgeordnete den Begriff „Neger“ für unproblematisch halten*. Wir leben in einem Land, in dem die Justiz die Äußerung „Ich könnte alle Juden töten. Aber ich habe einige am Leben gelassen, um euch zu zeigen, wieso ich sie getötet habe“, als „Unmutsäußerung gegen Israel“ betitelt**. Ernsthaft! Wir leben in einem Land, in dem die Polizei Hitler- und Kühnengrüße nicht sehen will, um die Situation nicht aufzuschaukeln***.

Ich schweife ein wenig ab, aber nur weil es so gut zum Thema passt. Zurück also zum Gschnas. Der als amerikanischer Ureinwohner verkleidete Mann tanzte. Mit den kleinen Prinzessinnen, Drachen, Polizisten, Wikingern und Spidermännern. Sie alle, ja auch ich, wir, die ganze Familie. Denn wir sind als Ex-Städter ja integrationswillig. Wir hüpften, klatschten und schwangen die Hüften zu ohrenbetäubendem Pippi-Langstrumpf-Tekkno. Ich gebe zu: Mein Geist musste zwar dafür den Körper verlassen, aber ich ließ mir nichts anmerken. Denn Zweck heiligt die Mittel: I’m doing it for the kids.

Während die Frauen und ganz, ganz wenige Männer auf der Tanzfläche langsam alle Hemmungen abschüttelten, stand der Großteil der männlichen Besucher jenseits der ersten Altersdekade abgeschirmt mit der Hüsn hinter der Bar. Das Bild, das sie dabei abgaben: Nicht das des modernen Mannes, sondern das eines halben. Denn sie haben das Prinzip Halbe-Halbe einfach nicht kapiert. Gut, kann natürlich sein, dass ihre Frauen von Montag bis Freitag 40-60h arbeiten gehen und die Männer sich ganz- bis halbtags um den Nachwuchs kümmern. Jedem sei eine Kinder-Auszeit vergönnt. Aber bitte machen wir uns nichts vor: Die Statistik spricht gegen sie.

Also liebe Männer: Nur damit ihr später nicht bereut, in Zeiten der Emanzipation nur ein halber Landsmann (in Bobostan und innerhalb des Gürtels würde sich das nämlich kein echter Mann mehr erlauben) gewesen zu sein: Eure Kinder werden sehr schnell groß. Trinken mit euren Kompagnons könnt ihr dann immer noch.

Und an die weibliche Landbevölkerung: Tretet euren Männern doch einfach mal in den Allerwertesten, wenn sie diesen nicht bewegen: Ihr habt euch nämlich auch mal ein Bier an der Bar verdient. 

Lei Lei!

 

* http://derstandard.at/1395364746521/Ein-Neger-ist-ein-Neger

** http://www.ots.at/presseaussendung/OTS_20150211_OTS0056/oeig-empoert-oesterreichische-justiz-legitimiert-antisemitische-hetze-als-unmutsaeusserung-gegenueber-israel

*** Polizei Interview bezüglich PEGIDA-Demo PULS 4 News am 3. Februar 2015