Archiv für den Monat: Januar 2015

Omg! Die berühmten letzten Worte.

Bedenke, jedes Posting könnte dein letztes sein lol.

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Hubert F. (34) überquerte die Hauptstraße kurz vor Mitternacht an einer unbeleuchteten Stelle. Wie Augenzeugen berichten, versuchte der Lenker des heranfahrenden PKWs noch zu bremsen, doch vergeblich. Der 24-jährige Fußgänger wurde zehn Meter über die Fahrbahn geschleudert und war sofort tot. Seine letzten Gedanken galten seiner Freundin Ramona, der er kurz vor dem tödlichen Unfall noch eine liebevolle Nachricht („Saugeiler Abend rofl lol“) auf Facebook hinterlassen hatte….

Achtung! Diese Kurzmeldung ist von mir frei erfunden. Allerdings könnte es sich genau so zu getragen haben. Damit ich einmal in Frieden ruhen kann, will ich meine Worte bedenken, bevor ich sie tippe. Es könnten ja meine letzten sein. Und die sollten gut gewählt sein. Stellen wir uns mal vor,

Coco Chanel hätte gesagt: „I krepier, des g’spiar I“, anstatt: „So stirbt man also“,

oder Winston Churchill: „Moch ma no wos, m8?“, anstatt: „Es ist so langweilig“,

oder Dylan Thomas: „1,2,3 g’suffa wird, 2F4U.“ anstatt: „Ich hatte gerade 18 Whisky ohne Eis. Ich denke mal, das ist der Rekord“.

 

140 Zeichen sind nicht viel. Aber genau das ist gefährlich. In der Kürze liegt die Würze, doch der Ton wird dabei manchmal so scharf, dass man sich leicht verbrennt. Auslösen kann das Schlimmes. Das musste die 17-jährige Naina jetzt auch lernen. Dabei war sie eigentlich mutig vor dem Fall (ohne hoch-). Bildungsdebatte ausgelöst. Und tschüss. Acc abgemeldet. Sie wird ihre viersprachigen Gedichtinterpretationen in Zukunft höchstens noch über Whatsapp teilen. Warum?

Gefühl ist, der Ton wird online immer rauer. Harmloses Vogelgezwitscher wird von lautem Hyänengeschrei übertönt. Fakt ist, die Menschen dort immer älter (einen kausalen Zusammenhang will ich hier nicht heraufbeschwören. Ehrlich nicht.) Die Jungen wandern ab. Bevorzugen laut Studien Whats-app, also nicht F2F, aber tipp-to-tipp-Konversationen, in privatem Rahmen. Die Jugend von heute also, gar nicht dumm. Ich will sie echt nicht beissen, die Hand, die mich mit Informationen füttert. Aber wenn wir so weiter machen, dann wird es da bald nur noch frustrierte alte Knacker da geben. Gekommen, um zu lästern.

Am Anfang war das Wort. Aber auch am Ende wird immer eines sein. Bevor das große Schweigen beginnt.

CU Alina + #HEAGDL

Kinderquatsch(erei) II

mund

 

Nach Stadt, Land, Flucht jetzt die Fortsetzung meines erfolgreichsten Blogeintrags aller Zeiten (9 Monate sind es jetzt schon): Und den habe nicht ich geschrieben, sondern mein Sohn gesprochen. Also er ist der Bestsellerautor in der Familie. Lest und lacht:

 

Ich: Ich gehe heute Abend weg. Ihr macht zu Hause also einen Männerabend.

L: Was macht man da?

Ich: Männersachen halt.

L: Puzzles?

 

Wir reden über den Wetterbericht.

L: Und was sagt der Blätterbericht?

 

L: Wenn der Rotz aus der Nase kommt, nennt man das Rotzverteilung, gell?“

 

Ein Missverständnis konnte nach vielen Jahren der Schlaflosigkeit letztendlich geklärt werden:

L: „Ich habe gedacht, mein Bett ist ein Turnplatz.“

 

Bei der Schnullerentwöhnung geht unser Sohn über Leichen, wenn nötig sogar über die eigene. Clevererweise glaubt er dabei an Wiedergeburt:

L: Wenn ich gestorben bin und dann wieder lebe und ein Baby bin, kann ich dann wieder einen Schnuller haben?

 

L: Wohnen das Christkind und der Nikolo eigentlich zusammen?

Ich bin ja sonst auch nicht auf dem Mund gefallen. Aber bei dieser Frage habe ich mir Recherchezeit bis Nikolo 2015 erbeten. Hat jemand einen Rat?

 

L: Ich brauche zwei Polster. Weil ich habe ja auch zwei Ohren!

Vielleicht ein superschlaues, neues Verkaufsargument für die Pölsterindustrie?

 

Ich: Gehst du dir bitte nach dem Essen die Hände waschen?

L: Nein. Muss ich nicht. Ich habe nur die sauberen Pommes gegessen.

 

Wir suchen gemeinsam die Nachtapotheke auf. Wegen furchtbar schmerzender Bläschen im Mund (Feuchtblattern).

Als ich gerade zahle ruft L laut: Haben sie bitte Traubenzucker?

Die ganze Glaubwürdigkeit dahin.

 

L: Das Essen schmeckt komisch.

Ich: Wie komisch?

L: Nach Bio.

 

Ich: Schau der ganze Schnee schmilzt.

L nostalgisch seufzend: Jetzt wird’s endlich Herbst.

 

Baby J. ruft laut: A A A A

L aufgeregt: Schau Mama. Er kann schon einen Buchstaben.

 

L: Ich mag nur Bubenfarben.

Ich: Bitte was sind Bubenfarben?

L: Rot, blau, biolett.

Ich: Du meinst violett.

L: Rosa mag ich nicht.

Ich: Wieso nicht?

L: Nur auf den Blumen.

Ich: Und was ist mit Pink?

L: Was ist Pink?

Ich: Eine Farbe , so ähnlich wie rosa.

L: Kennst du Pinkerbell?

So verlaufen sich ca. 80% unserer Unterhaltungen: Zwischen dem Hundertsten und Tausendsten irgendwo im Sand.

Am selben Tag L: Meine Lieblingsfarben sind Rot, Rosa und Violett. Und Schwarz.

 

Ich: Hast du da ein Gesicht gezeichnet?

L: Nein. Das ist ein Apfel mit zwei Augen und einem Mund.

 

Hier geht’s zur Nachlese: Kinderquatsch(erei) Teil I

 

Mit meinem Buchtagebuch hat dieser Eintrag zwar nichts mehr zu tun. Aber manchmal muss man sich einfach zurücklehnen und andere für sich arbeiten/reden lassen. In diesem Sinne, wunderbaren Tag euch allen!