Archiv für den Monat: November 2014

Schokolade zum Frühstück, Mittagessen und Abendessen!

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Juhu! Für unsere Kinder nur das Schlechteste.

Ach was soll’s. Wir können sowieso nicht kontrollieren, womit die Mäulchen unserer Kleinen so gestopft werden. Selbst wenn wir alle Inhaltsstoffe auf der BIO-Getreidebreipackung mit A-Gütesiegel bis Z-ertifikat sorgfältig geprüft haben, das Obst gründlich gewaschen, die auf den Tag verteilte Nahrung auf ihre Ausgewogenheit hin geprüft haben, irren wir, wenn wir tatsächlich glauben, unsere Kinder essen gesund.

Keine Angst ich rede nicht von Schummelschinken, Listerienkäse und Gammelfleisch. Ich schreibe über hochwertige Bioprodukte. Da können nämlich auch versehentlich ein paar halluzinogene Drogen mitreinrutschen. Und Obst und Gemüse, ganz pestizidfrei gibt es ja gar nicht mehr. So a bissl Pesti hier und bissl Zit da muss eben drauf auf das Obst, sonst kommen die Insekten, Pilze, Nager. Und dagegen wächst eben auch Unkraut. Gift auf Bio darf sein, solange es ein natürliches ist. Ist Gift nicht gleich Gift? Ja, natürlich! Trotzdem bitte fest Schrubben! Ob tatsächlich alles runter ist, siehst du erst wenn nicht das Licht ausgeht.

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Mehr Kuchen, weniger Brot. Ausgewogene Ernährung bei Kindern ist ein Ziel, das man sich zwar stecken, aber nie erreichen kann. Weil das eine Kind von der Scheibe Brot nur ein halbes Mal abbeißt, den Schinken dafür in rauen Mengen vertilgt, das Obst samt Haut und Kernen verschlingt, die Butter aber höchstens einmal abschleckt. Ins Milchglas wird gespuckt, anstatt davon getrunken. Das andere Kind isst lieber drei Scheiben Fett, und sagt laut „wäh“ zu dem aufgetischten Stückchen Kohlehydrat. Es bevorzugt Mineral als blubberndes Anschauungsobjekt, aber eben nicht als Stoffe. Es will nur ganz wenig Eiweiß, dafür aber doppelt soviel Dotter. Tja, das sind eben Kinder, keine Diätsklaven.

In der FAZ ist zu Beginn der Woche ein Kommentar erschienen, dessen acht Absätze sich mit ein wenig Anstrengung in zwölf Worte zusammenfassen lässt: Gebt den Kindern Schnitzel und Pommes, weil sie wollen Schnitzel und Pommes*. Zugegeben zuerst habe ich gedacht, dass ich so etwas Dummes noch nie gelesen habe. Aber dann! Dann ist mir plötzlich eine enorme Last von den Schultern in die Fettpolster gefallen. Wie leicht das Leben doch sein könnte. Endlich findet ein Umdenken statt. Lasst uns wieder leben! Und zwar genussvoll. Ohne Einschränkung. Das kommt mir gerade jetzt zur Weihnachtszeit sehr gelegen und deshalb rufe ich laut „Ja! Ja! Ja!“

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Ich gehe noch ein paar Schritte weiter und fordere hiermit für unsere Kinder: Schokolade zum Frühstück, Mittagessen und Abendessen! Vielleicht darf es zwischendurch ein Zuckerl mit Keksi und Schlecker sein? Und beim vierstündigen Nachmittagsfernsehprogramm hauen wir uns noch ein Packerl Chips rein, weil wir haben halt so einen Gusto. Zum Runterspülen: Ein DrehundTrink. Für die Verdauung: Ein Schnapserl, eh nur a klitzeklans, und eine Tschick hinterher. Wenn’s nicht sein muss für die unter Dreijährigen meinetwegen nur ein Schokozigaretterl. (Gibt es die eigentlich noch zu kaufen? Wenn ja, sicherlich mit ekelhaften Warnbildern vorne drauf: Einstiegsdroge Schokozigarette.)

Herrlich. Endlich wird der Gesellschaft dieser selbstaufgezwungene Gesundheitswahn wieder genommen. Lasst unsere Kinder irre fett werden. Sie sollen genussvoll in die Makronen beißen und Reserven in kariösen Zähnen horten. Während sie ihre thrombosegefährdeten Beine kneten, können sie Diätpläne mit Füßen treten. Natürlich nur gedanklich. Denn Sport ist jetzt auch endlich wieder Mord. Hurra!

Jetzt müssen nur noch die Kinder mitmachen! Dummerweise kenne ich da zwei, die am liebsten Erde und „Sag ich nicht“ essen wollen. Egal. Gebt ihnen halt Erde und „Sag ich nicht“! Bewegen tun sie sich auch gerne. Zu gerne. Viel zu gerne. Aber den Teufel werde ich ihnen schon austreiben.

In diesem Sinne ein süßes und faules erstes Adventwochenende euch allen!

 

* http://www.faz.net/aktuell/kommentar-zur-studie-ueber-schulkantinen-gebt-den-kindern-schnitzel-mit-pommes-13285814.html

Inländerfreundlichkeit

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Auf Besuch bei der Krankenkasse

Zwei Leute vor mir in der Schlange. Eine Frau mit hörbarem Migrationshintergrund ist an der Reihe und wird gerade „bedient“:

Des du ausfüllen musst. Wo hast andere Zettel?“

Welche Zettel?

Na, des vo deim Dienstgeber? Arbeit?

Weiß nicht?“

Na dann du holen und des ausfüllen. Und kummst wieder.“

Frau tritt mit gesenktem Blick ab. Mann mit anscheinend sofort erkennbarem Migrationshintergrund rückt mit ebenso gesenktem Haupt nach und streckt der Frau hinter dem Schalter ein Blatt Papier als eine Art Schutzschild entgegen.

Wos is des?“

Mann antwortet nicht. Serviceorientierte Frau am Schalter prüft Unterlagen.

Sans no krank?“

Ja. Naja.“

Wos jetzt? Ja oder Na? Wollen hinein zu Arzt?“

Mann nickt.

Gut. Da hinsetzen. Warten bis wir aufrufen.“

Ich rücke nach. Frau hinter dem Schalter prüft meine Unterlagen.

Guten Tag. Da bräuchte ich noch eine Kopie von der Seite. Die kann ich selbstverständlich für sie machen, wenn sie wollen.“

Deutsch lernen: Schwer gemacht.

Integration: Schwerer gemacht.

Inländerhass: Leicht gemacht.