Archiv für den Monat: August 2014

Trari Trara, die Post war da!

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Endlich: Der Verlag, der das gesamte Manuskript prüfen wollte, hat sich gemeldet. Das lange Warten hat nun ein Ende, dachte ich. Aber es war falsch gedacht. Denn das Warten hat sogleich einen neuen Anfang bekommen. Eine Zusage gab es nämlich keine. Absage kann man es aber auch nicht wirklich nennen. Vorerst. Die Verlegerin hat die Hälfte des Manuskripts gelesen. Es hat ihr gefallen. (Jippieh-Jei-Jei-Juhuuuuuuu!!!) Allerdings ist sie der Meinung, das Buch sollte aufgrund des Hauptthemas, nämlich der Integrationsproblematik, von einem österreichischen Verlag verlegt werden. Sonst könnte ein „merkwürdiger Beigeschmack“ entstehen.

Ich verstehe das. Allerdings war das genau der Grund, warum ich mein Hauptaugenmerk auf deutsche Verlage gerichtet habe. Ich hatte nämlich den Eindruck, dass in Österreich viele Verlage vom Bundesministerium (ehemals für Unterricht, Kunst und Kultur) gefördert werden. Bitte korrigiert mich, liebe Verlagsexperten, sollte ich daneben liegen. Meine Chancen hier veröffentlicht zu werden, habe ich deshalb als sehr, sehr gering eingeschätzt.

Wie dem auch sei, alles ist noch nicht verloren. Nach einem kurzen Gedankenaustausch hat mir die Verlegerin versprochen, auch den Rest des Manuskriptes zu prüfen. Jetzt kann ich nur hoffen, dass sie die zweite Hälfte meines Buches so in Staunen versetzt und damit jegliche Zweifel aus dem Weg geräumt sind. Drückt die Daumen, bitte!

Sollte die endgültige Antwort negativ ausfallen, habe ich mich noch nicht entschieden, wie ich weiter vorgehen werde. Ja, ich weiß, ich hätte immer noch diese Option mit der Post. Andere Leute geben Briefe auf.

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Ich allerdings, ich gebe stattdessen lieber meinen Traum auf. Es fällt mir zunehmend schwer, nicht die Geduld zu verlieren, mich zu motivieren, mich nicht immer öfter zu fragen: „Wozu das alles?“ Obwohl ich gerade erst am Anfang stehe, vielleicht zehn, zwölf Verlage angeschrieben habe und immer noch auf acht bis zehn Antworten warte. Robert Schneiders „Schlafes Bruder“ wurde vierundzwanzig Mal abgelehnt, bevor es sich über eine Million Mal verkauft hat. Und jetzt? Der Mann ist jetzt Dokumentarfilmemacher und kümmert sich um seine drei Söhne. Der Buchbranche hat er desillusioniert den Rücken gekehrt. Nicht, dass ich mein Werk mit „Schlafes Bruder“ vergleichen, oder gar messen will. Mitnichten. Aber einige Parallelen sehe ich doch. Filmen habe ich schon einmal gelernt, Söhne habe ich auch, und mit Johannes Elias Alder habe ich im Moment sowieso mehr gemein als mir lieb ist. Nicht die gelben Augen, aber die stets offenen.

Egal, wie es kommt. Ich glaube, ich kann ohnehin nicht mehr aufhören. Vorgestern Nacht nämlich, als ich wieder einmal wach gelegen bin, ist mir eine grandiose Idee für eine Kurzgeschichte gekommen. Und diese geniale Idee gilt es wahrscheinlich jetzt noch genialer umzusetzen. Oder, was meint ihr? Aufgeben? Post? Brief? Traum? Traum….Schlafen. Endlich mal wieder schlafen!

Alles über meine erfolgreiche Verlagssuche

Das schlechte Gewissen: Mamas ständiger Begleiter

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Neben abendlichem Babygeschrei, morgendlichem Geraunze, ständig aus dem Nichts auftauchenden Warum-Fragen und natürlich dem alles in den Schatten stellende Kinderlachen, gibt es für Eltern noch eine neue Stimme im Leben: Der Zeigefinger im Kopf, das Gewissen. Ständig überprüft es, ob wir auch wirklich das Richtige tun.

In diesen Momenten wird diese Stimme besonders laut:

Wenn dich dein sieben Monate altes Kind dabei beobachtet, wenn du dir hinter dem Rücken des dreijährigen Kindes (s)eine Schokolade in den Mund schiebst. (Aufpassen, denn irgendwann können die Kleinen reden und leider auch petzen!) Gefühl: #Schwerverbrecherin und #Pfundsmama.

Wenn Bekannte die Augen verdrehen, weil dein Kind raunzt und deshalb niemand richtig zu Wort kommt. Und man sich dann noch zusätzlich schlecht gegenüber dem Kind fühlt, weil man sich für dessen Anwesenheit schämt. Gefühl: #Betrügermama

Wenn du zu früh arbeiten gehst, hast du das Gefühl, du lässt dein Kind alleine. Gefühl: #Rabenmama

Wenn du zu spät arbeiten gehst. Denn im Kindergarten können Kinder spielend ihre soziale Kompetenz trainieren. Bleibst du dennoch zu Hause, bist du nicht nur als Mama irgendwann uncool, sondern schneller noch am Arbeitsmarkt. Und heutzutage ist Hausfrau/mann sein, noch immer keine Arbeit, sondern ein selbsterwähltes Hobby. Gefühl: #abgefuckteHausfrau4ever

Wenn du zu viel Spielzeug kaufst und der Fratz dadurch verwöhnt wird und nie lernt, mit Geld umzugehen. Gefühl: #GekaufteLiebe

Wenn du zu wenig Spielzeug kaufst, so dass sich das arme Kind immer Sachen von anderen ausborgen muss. (Pädagogisch wertvolles Holzspielzeug ist uncool. Davon sind alle 0 bis 25-Jährigen überzeugt. Alle!) Gefühl: #Arme Schluckerfamilienmama

Wenn du Freunde ständig vertröstest, vernachlässigst, langsam ein isolierter Sozialfall wirst, der zwar toll mit Puppen und Autos spielen kann, aber keine Unterhaltung mehr führt, in der es nicht um Kinder geht. Gefühl: #100%Mama, aber kein Mensch mehr

Wenn du dann endlich wieder ohne Kindern das Haus verlässt und dich drei Schritte später schon wieder schlecht fühlst, weil heute jemand anderer die Kinder ins Bett bringt. Gefühl: #Verrücktegluckenmama

Wenn das erste Kind mit zwei Jahren feierlich die erste Schokolade überreicht bekommt. Während Kind 2 sie bereits im Alter von neun Monaten Kind 1 aus der Hand reisst und man ohnmächtig, resignierend, übermüdet einfach die Augen schließt und es geschehen lässt. Gefühl: #SchuldigimSinnederUngleichbehandlung

Wenn du das Kind fremdbetreuen lässt und dir nicht hundertprozentig sicher bist, ob man den Fremdbetreuern auch trauen kann. Hundertprozentig sicher kann man sich nie sein, hörst du überall. Gefühl: #MehraufmeinGefühlhören

Wenn du abends wach liegst, weil du einmal vergessen hast, dem Kind die Zähne zu putzen. Im Geiste gehst du folgende Szenarien durch: Beim ersten Loch Zahnarzt belügen („Haben immer geputzt!“), am nächsten Tag dafür dreimal putzen, Kontostand abchecken für die Dritten. Gefühl: #Lügnerin und #Assimama

Wenn du mit dem zweiten Kind schwanger bist, während deine Freundin sich seit Jahren vergeblich ein Kind wünscht. Gefühl: #Gebärmaschine und #unverschämter Glückspilz.

Wenn ein anderes Kind deines schlägt, und du nicht einschreitest. #FeigeSau

Wenn ein anderes Kind deines schlägt, und du einschreitest. #Löwin

Wenn das Kind nur gebrauchtes Gewand bekommt und das zweite Kind dann in nicht nur gebrauchtes, sondern auch noch fleckiges, oder sogar löchriges Gewand gesteckt wird. (Brauchen Kinder neue Kleidung? Kann man Unterhosen unter Geschwistern eigentlich weitervererben, oder geht das zu weit?) Gefühl: #Sparefroh

Wenn du mit dem Kind zu wenig spielst, vernachlässigst du es. Gefühl: #Spielverderber

Wenn du mit dem Kind zu viel spielst. Denn so kann es nie lernen, sich mit sich selbst zu beschäftigen. Gefühl: #EwigerSpielkameradvomMamakind

Und über all dem steht die Gewissensfrage: Tust du das Bestmögliche, um dein Kind auf diese Welt optimal vorzubereiten? Meine eigene Antwort ist fast immer: Ich weiß es nicht.

Eltern sein heißt, nicht nur Verantwortung für ein anderes Menschenleben tragen. Sondern auch ständig sein eigenes Handeln zu hinterfragen. Der Gesellschaft sind wir allerdings keine Rechenschaft schuldig, unseren Kindern aber schon. Ich überlege jetzt schon, wie ich ihnen das mit der Schoki später einmal erklären werde.