Archiv für den Monat: Juli 2014

It’s all about me, my book and why!

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Es ist Mittwoch und Zeit für einen neuen Blogeintrag. Ich würde ja am liebsten täglich etwas hier hinein schreiben. Themen gäb’s genug, allein mir fehlt nicht der Glaube, sondern die liebe Zeit. Jetzt kommt auch noch dazu, dass ich mir den Nacken samt dranhängendem Rücken verrissen habe, dass sogar das Tippen mit dem kleinen Finger wehtut. Aber eine Schriftstellerin kennt keine Schmerzen.

Eigentlich würde ich gerne über das eine oder andere fragwürdige Gerichtsurteil schreiben, oder darüber, dass die Polizei sich gerne über andere Minderheiten lustig macht (was übrigens auch Thema in meinem Buch ist). Aber nein, ich nehme ein Interview mit einer namhaften Verlegerin, das ich gestern gelesen habe, als Anlass über mich selbst zu schreiben.

Denn darin wird Autorinnen, nicht AutorInnen, empfohlen, selbstsicherer für ihre Bücher zu werben. Denn Selbstbewusstsein strahlt Erfolg aus, und Erfolg macht sexy. Frauen seien da im Allgemeinen zu bescheiden.

Also gut. Ich persönlich finde das zwar unsympathisch, denn ich finde eigentlich, dass sehr Vieles wichtiger ist als mein eigener Mikrokosmos. Aber egal, wenn es für den Erfolg ist, dann wollen wir halt mal sexy sein. Ich, meines Zeichens, heute eine wahre sexbomb, sexbomb (nicht lachen), habe deshalb gleich beschlossen, mich für den Literaturnobelpreis zu bewerben. Ich weiß das geht eigentlich nicht, und mein Werk ist ja noch nicht einmal veröffentlicht. Aber he, ausprobiert hat es auch noch niemand. Ich, heute einmal sehr selbstbewusst, tue das jetzt einfach an dieser Stelle. Mal sehen was passiert.

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Aber zurück zu mir. Meine geistige Umnachtung, als Ausgleich für derzeit fehlende Nächte, und die körperliche Lähmung nördlich des Steißbeins lassen zu, dass ich mich selbst in den Fokus rücken darf. Allerdings garantiere ich keinen gehaltvollen Inhalt, denn ich habe heute schon das T-Shirt meines Sohnes absichtlich, aber nicht bewusst, mit viel Schwung in die Toilette befördert (und selbstverständlich wieder herausgeholt – so dick haben wir es nicht).

Also, um der angeblichen weiblichen Bescheidenheit entgegenzuwirken, setze ich euch in Kenntnis, dass es vollbracht ist. Das Meisterwerk, das seinesgleichen gar nicht sucht, da es ohnehin unauffindbar sein wird, ist weggeschickt, an den Verlag. Wem es nicht gefällt, der ist seiner einfach nicht würdig. Jetzt heißt es also wieder warten. Und nur ganz nebenbei erwähnt, habe ich auch schon meine erste Absage erhalten. Aber das ist mir herzlich wurscht, da ich (ausnahmsweise heute) überzeugt bin, dass dieser Agentur damit ein kapitaler Fehler unterlaufen ist.

Damit mir jetzt nicht fad wird, habe ich beschlossen, mein Exposé zu pimpen, ein wenig aufzumotzen. Nächste Woche schreibe ich dann weitere Verlage an, noch immer nur per E-mail (das Postproblem habe ich noch nicht überwunden, ich arbeite daran). Bevorzugt suche ich mir Indieverlage aus. Das ist ökonomisch unklug, das ist mir schon klar. Aber ich schreibe nicht, um damit Geld zu verdienen. Würde ich reich werden wollen, hätte ich nämlich mit Sicherheit kein Buch geschrieben. Und genau deshalb passt auch ein Indieverlag am besten zu mir. Wir können gemeinsam gewinnen, auch ohne dabei großen Gewinn zu machen.

(Was ich mir allerdings doch gerne einmal leisten würde, wäre ein/e SekretärIn, der/die meine Gedanken abtippt, die ich vorwiegend beim Duschen habe. Aber bitte wegschauen. Dann könnte ich nämlich täglich mehrere Blogeinträge verfassen.)

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So, jetzt aber genug von mir. Zum Schluss gibt es ganz uneigennützig und gratis einen wertvollen, ach was, unbezahlbaren Tipp für Eltern: Tragt eure Kinder nicht immer auf der einen Seite. Wechselt ab. Einmal links, einmal rechts. Denn sonst passiert euch das, was ich heute mit Entsetzen festgestellt habe: Ich bin schief geworden. 

Und dabei habe ich doch schon verschieden große Nasenlöcher (auf Bild 1 gut zu erkennen). Schöne Menschen, sind symmetrische Menschen, sagt man. Mist, das ganze tolle Selbstbewusstsein wieder dahin.

Damit entlasse ich euch aus meinem Mikrokosmos und wünsche einen schönen Tag!

 

 

 

 

 

 

 

 

Gendern? Geh, des brauch’ma net!

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Sind sie es leid? Dieses Gendern? Diese Debatte um die Gleichberechtigung? Binnen-I rein? Töchter wieder raus? Verstehe ich. Denn diese Debatte ist vollkommen unzeitgemäß. Zwei Dinge wurden mir dadurch klar und leider schmerzlich vor Augen geführt:

  1. Wir sind von Gleichberechtigung in diesem Land noch viel weiter entfernt, als wir dachten.
  2. Offenbar ist der Großteil der Österreichischen Bevölkerung einfach gegen die Gleichberechtigung (aus welchen Gründen auch immer).

Denn wäre dem nicht so, gäbe es diese Debatte gar nicht. Das gibt einem doch zu denken, oder? Aber leider, je mehr ich darüber nachdenke, je genauer ich beobachte, komme ich nach und nach drauf, dass ich in einem Land lebe, dessen Gesellschaft reaktionärer, sexistischer und patriarchalischer im 21. Jahrhundert in Westeuropa gar nicht sein könnte. Wie ich darauf komme: Hier nur meine Gedanken, Erlebnisse und Beobachtungen der letzten Tage zum Thema Ungleichberechtigung:

 

  • Irgendwie bin ich dem Aufdecker Gabalier sogar dankbar, denn seine natürlich „harmlos gemeinte Rücksichtnahme auf das Urheberrecht“ hat Erschreckendes zu Tage gebracht. Männer, die aus Angst vor dem weiblichen Geschlecht panikartig selbiges beschimpfen. Frauen, die ihrer selbst gar nicht würdig sein wollen, gerne lieber gar nicht beachtet und erwähnt werden, das aber auch wüst schimpfend kundtun. Und dem Ganzen gegenüber stehen die Frauen, die den Wunsch nach Gleichberechtigung noch nicht aufgegeben haben. Aber das sind ja alles Emanzen, heißt es sogleich. Und dann gibt es noch diesen anscheinend schwindend kleinen Teil der Bevölkerung, dem das alles wurscht ist. Zu dem habe ich mich eigentlich gezählt, als ich noch Uni-Absolventin und Arbeitnehmerin war. Jetzt bin ich in Karenz und da sieht man ein paar Dinge etwas anders. Ich dachte nämlich die Gleichberechtigung beginnt bei mir zu Hause. Tut sie auch, aber leider endet sie auch wieder hier.
  • Väter, die sich liebevoll um ihre Kinder kümmern, werden auf Spielplätzen, in Schwimmbädern, beim Einkaufen als Helden gefeiert. Werden (vorwiegend von fremden, alten, aber auch jungen Frauen) theatralisch gelobt, in den Himmel gehoben. Dass Frauen sich liebevoll um ihre Kinder kümmern, ist Grundvoraussetzung fürs Mutter-Dasein. Wieso eigentlich? Es gibt doch jetzt auch so etwas wie Väterkarenz. Ach richtig, die wird ja kaum in Anspruch genommen. Wieso eigentlich? Ach ja richtig, es gibt ja so etwas wie die riesengroße Einkommensschere. Deshalb können es sich die meisten Familien gar nicht leisten, dass der Vater in Karenz geht. Ausserdem ist da der Arbeitgeber oft dagegen. Wieso eigentlich? Es ist doch auch selbstverständlich, dass Frauen in Karenz gehen. Ja, aber bei Männern ist das doch was ganz anderes. Etwas Freiwilliges sozusagen. Müssen sie ja nicht, oder? Die sind in der Arbeit ja ausserdem unentbehrlich, weil die Firma doch so klein ist, und in dieser Zeit sind doch gerade alle auf Urlaub und, und, und. Da könnte doch die Frau einfach ein bisschen länger in Karenz bleiben, auf die paar Monate kommt es dann doch auch nicht mehr an. Nicht wahr?
  • Da gibt es Politiker, die jetzt sagen, das Binnen-I wieder abzuschaffen, hätte eine falsche Symbolik. Meiner Meinung nach ist das ein Euphemismus für: „Mir geht’s auch am A…., aber jetzt wo es da ist, können wir es den Frauen doch nicht wieder wegnehmen. Dieses I ist doch so wichtig für die. Lassen wir es ihnen halt.“
  • Im Großen und Ganzen ist es doch so: Es gibt zwar mehr weibliche Uniabsolventen als männliche, aber als Arbeitnehmer sind die männlichen dann doch irgendwie praktischer, kosten zwar mehr, aber werden ja nicht schwanger. Und im Vorstand würde sich eine Frau unter zehn Männern auch irgendwie blöd machen. Deshalb lieber gar keine. Quote, ach was. Brauchen wir nicht. Das wäre ja auch irgendwie diskriminierend, wenn es eine Frau nur aufgrund einer Quote zu uns schaffen würde, nicht? (Das ist jetzt hier vielleicht überzogen dargestellt, aber ist es nicht eigentlich so, meistens?)

Wer jetzt denkt, ich bin eine frustrierte Emanze, soll das ruhig denken. Ich darf ja auch denken, was ich will.

Aber wenn man mich fragt, ich würde das Binnen-I auch nicht brauchen und sogar auf die Töchter würde ich gar nicht bestehen. Mir wäre es am liebsten, wir bräuchten diese Debatte gar nicht, und so traurig es ist, sie wird auch leider nichts ändern. (Im Gegenteil, derzeit sieht es so aus, als würde sie alles nur schlimmer machen.) Es ist ein Armutszeugnis für eine Nation, dass wir solche Schönheitsfehler korrigieren müssen. Aber in Wahrheit tut es wirklich nichts zur Sache, denn selbst wenn es aussen hui ist, drinnen bleibt es ja dann doch pfui.

 

Eine kleine Anekdote zum Schluss: Gestern im Supermarkt sagte eine Frau, so um die 70, zum Wurstverkäufer: „Oh, da werde ich einmal von einem Mann bedient. Das ist ja mal was Neues“, und lachte. Daneben standen zwei andere Frauen, in meinem Alter, und lachten mit, naja schmunzelten zumindest. Mir war zum Heueln zumute.

Bitte liebe Omi: What was in the 1950s, stays in the 1950s!

 

Wer das gelesen hat, wollte auch das hier lesen.