Archiv für den Monat: Juni 2014

Who needs fucking sleep?

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Wer braucht schon Schlaf?“, fragt ein gähnender Mund und blickt dabei in andere schwarzunterrandete Augen auf dem Spielplatz. „Ihr vielleicht nicht“, denke ich und rufe laut: „Ich, ich, ich.“ Dann sinkt mein kraftloser Körper, ob der kurzen Aufregung, wieder schlapp in sich zusammen.

Ja, natürlich, die gescheiten Eltern finden sich damit ab, dass an geruhsamen, erholsamen Schlaf in den nächsten Monaten bis Jahren nicht zu denken ist. Die dummen Eltern tun das nicht. Ich gehöre zu den Dummen. Denn eines weiß ich ganz sicher, und kann es auch ganz getrost behaupten: Schlaf wird nicht überbewertet. Man liest und hört das seltsamerweise so oft von frisch leidenden und gar nicht ausgeruhten Eltern. Milde lächelnd ziehen sie dann gequält ihre Mundwinkel Richtung tiefbraun-blaue Augenringe. Da kann ich nur mit dem Kopf schütteln. Machen wir uns doch nichts vor! Das stimmt einfach nicht.

Und ich muss es wissen. Ich habe Erfahrung, was schlaflose Nächte betrifft. Und ich übertreibe nicht, wenn ich das Wort Folter dabei in den Mund nehme. Für die, die es noch nicht erlebt haben und es wissen wollen, kann ich genau schildern, wie sich das anfühlt, wenn der mehr tote, als nur noch müde Körper, endlich in den Schlaf gleitet, um nicht einmal fünf Minuten später wieder brutal da herausgeholt zu werden, wo man gerade so gerne und verdient hinwollte, ins Träumeland. Träumen? Hahaha, vergiss‘ es! Träumen tut nur der, der schon tief geschlafen hat. Und dann muss man auch noch gegen den eisernen Willen des Körpers arbeiten, der einfach nur reglos sein möchte, muss plötzlich und schon wieder voll wach sein, muss funktionieren (Vom Geist rede ich nicht, nur vom Körper). Das vielleicht angelullte Kind muss gewickelt, gewaschen, frisch angezogen werden. Der verlorene Schnuller muss in der Dunkelheit gesucht, gefunden und wieder in den Mund gesteckt werden, Nahrung, Mitternachtssnacks müssen schnellstens serviert werden, denn ist das Kind einmal wach, bleibt es das vielleicht auch. Also nicht nur funktionieren muss man, nein, dabei sollte man auch noch verdammt schnell und sehr leise sein!

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Ich weiß, es gibt Superdupereltern da draussen, denen macht das anscheinend nichts aus, jahrelang halt eben mal nicht zu schlafen. Ist ja nicht schlimm, gell? Des bisserl Schlaf, braucht ja niemand. Von wegen, verdammt. Ich brauche den Schlaf, meinen Schlaf, ich will ihn. So sehr. Unbedingt. Das ist etwas, was ich herausgefunden habe, nach drei Jahren gar nicht, bis nicht so toll durchschlafen. Nein, nicht einmal nach drei Jahren. Das wusste ich auch schon nach drei Wochen. Ach was! Was rede ich da? Nach drei Tagen war ich mir absolut sicher, dass der Schlaf, ja der liebe Schlaf, mein liebst er bester Kumpel ist auf dieser Welt. Oder besser war. Wir sehen uns in letzter Zeit nur sporadisch und vor allem nie dauerhaft. Ich aber wäre am liebsten sehr viel öfter mit ihm zusammen. Aber wie das nun mal so ist, weiß man Dinge erst so richtig zu schätzen, wenn man sie nicht mehr hat.

Also, Fazit: Ich bin dann eben nicht so eine Supderdupermutter, die Schlaf für überbewertet hält. Ich stehe da auch voll dazu. Klar, liebe ich meine Kinder, aber ganz ehrlich: Glücklicher wäre ich, wenn meine geliebten Kinder schlafen würden, verdammt nochmal. Und zwar genau dann, wenn ich auch schlafen will.

Für alle Bald-Eltern, die das lesen: Natürlich könntet ausgerechnet ihr Glück haben und euer Kindelein wird ein ganz toller Schläfer. Aber falls nicht, dann seid an dieser Stelle gewarnt. Ich bin absolut ehrlich zu euch. Angeblich gibt es solche Kinder (nicht nur in Bilderbüchern), die schlafen toll, von Anfang an, von früh bis spät und selbst, wenn sie zahnen oder krank sind. Ja, ja! Angeblich. Ich kenne solche Kinder jedenfalls nicht. Gehört habe ich allerdings von denen. Beweise habe ich noch keine gesehen. Aber vielleicht zieht gerade ihr das große Los, knackt den Jackpot. Und falls es so ist, dann freut euch, lest das hier nochmal und bemitleidet gefälligst alle anderen nichtschlafenden Eltern da draussen. Und bewahrt Stillschweigen. Denn am Spielplatz kommt das gar nicht gut, zu prahlen: „Mein Kind schläft zehn Stunden durch. Von Anfang an. Wir müssen es sogar wecken.“

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Sollten diese Worte fallen, mutieren nichtschlafende Eltern mitunter zu Zombies (kein weiter Weg), krabbeln zu den Sprösslingen in die Sandkiste, zertrampeln dabei mutwillig Burgen und Schlösser, nehmen den Sand und werfen einfach. Und das kann ins Auge gehen.

Also behaltet euer kleines, dunkles Geheimnis lieber für euch. Und wenn ihr mir begegnet: Ich will es auch nicht wissen. Redet nicht mit, bei der Über- oder Unterbewertung von Schlaf. Mitreden kann man erst, wenn man sie durchgemacht hat, diese Nächte. Drei bis vier, bis hunderte solcher Nächte. Und zwar hintereinander. Man kann da nur mitreden, wenn man echt am Ende war. Und ich war dort, glaubt mir. Einige Male sogar. Ich kenne dieses Ende. Hier ist es. Gute Nacht!

(Leseprobe aus „Ratlos – Die Wahrheit über unsere Kinder“)

Facebook kotzt mich an

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Ich weiß, dir geht es auch so! Wir alle kennen diesen Moment, in dem wir da nur noch raus wollen, einfach aussteigen, uns ausloggen – für immer. Aber irgendwas hält uns zurück. Und dann wird uns klar: Wir können nicht mehr ohne.

Ich kam früher ganz gut zurecht mit dem Netz, hab‘ nicht viel gewerkt. Aber dann habe ich meine Autorenseite gegründet. Und jetzt habe ich das Gefühl, den Drang, da ständig etwas abladen zu müssen. Wird einem auch so geraten, damit die Seite nicht stirbt und du kein fanloser Aussätziger wirst, in dieser Selbstdarstellerwelt. Schreib‘ doch irgendwas Lustiges, Kreatives, um ja ein bisschen sozial zu sein. Diese Seite zwingt mich regelrecht andere Leute zu nerven mit blöden Posts. Zur selben Zeit fühle ich mich genervt von der Statistik, die mir ständig unter die Nase reibt, dass ich keine neuen „likes“ habe. Sehe mich in die dunkelsten Schulzeiten zurückversetzt, wenn da alles rot ist, und meine Zahlen im Negativbereich Richtung Talsohle rutschen.

Eine Freundin von mir (ihr kennt sie nicht, denn sie ist nicht mehr auf fb) hat tatsächlich den Absprung geschafft. Sie beklagt zwar dann und wann, nirgendwo mehr eingeladen zu werden, meint aber jetzt viel freier, unabhängiger zu sein, weil sie „ned ollas wos wia schreib’n immer liken muass“.

Das ist etwas, das mir wiederum egal ist. Wirklich. Was ich „like“, gefällt mir tatsächlich. Sogar das dreihundertste Babyfoto finde ich super und diese depperten Zeitvertreibselfies finde ich auch manchmal ganz witzig. Vor allem aber freue ich mich über die täglichen Beobachtungen der Augen Anderer. Ich sitze mit euch zitternd im Wartezimmer beim Zahnarzt, korrigiere mit euch Schularbeiten (oder besser nicht), ich juble mit euch über ein erfolgreiches Vorstellungsgespräch und bin traurig wenn jemand den Beziehungsstatus in „Single“ ändert.

Facebook ist für mich ein Geschichtsbuch hunderter Gesichter, die ich im wahren Leben manchmal und immer öfter nur noch selten sehe. Ich lerne dadurch auch Seiten an Menschen kennen, die ich über ein oberflächliches „Kleingespräch“ nie entdecken würde. Ich wäre nie so mutig Fragen zu stellen, wie: „Ziehst du dich gerne aus, wenn du betrunken bist?“, oder „Möchtest du gerne wissen, was zwei blonde Frauen in einem Aufzug miteinander machen, wenn sie sich unbeobachtet fühlen?“, oder „Wählst du Strache und stehst sogar dazu?“

Na gut, um ehrlich zu sein, ein paar dieser Dinge möchte ich auch gar nicht wissen. Aber im Großen und Ganzen ist es doch toll, fremde Urlaubsfotos anzusehen, ohne sich dazu elendslange Diashowmonologe anhören zu müssen. Oder etwa nicht?

 

Aber was mir dann doch wahnsinnig auf die Nerven geht, sind diese offensichtlichen, und leider oft erfolgreichen Versuche der Zuckerberg’schen Silikontalarbeiter uns an sie zu binden, abhängig zu machen. Das beginnt schon beim Privatuser, der sich ärgert, weil jeder sein Post übersieht und sich deshalb dazu gedrängt fühlt mehr, und noch mehr intime Details zu posten. Und das endet damit, dass Jugendliche auf Facebook öffentliche Selbstversuche starten, wie „Sieben Tage Handyfasten“. Das bringt doch alles nix, Kinder. Wozu herausfinden, was wir eh alle längst wissen. Wir brauchen es. Leider. Ist so. Gehört zu unserem Leben dazu, ist nicht mehr wegzudenken.

Ich habe auch ehrlich nichts dagegen, dass das fb immer für mich da und abrufbereit ist. Ich kann mich noch gut erinnern, als damals im 2009er Jahr ein Arbeitskollege mit dem ersten Smartphone in der Redaktion gesagt hat: „Wenn du so ein Ding hast, ist dir nie wieder fad“. Für diesen Satz hat er seine zornigen Vögel für zwei Sekunden auf der Stelle hüpfen lassen, bevor er sie wieder auf die Schweinderln gehetzt hat. Darüber kann man jetzt natürlich streiten. Mir wäre gern mal wieder langweilig, aber ich denke, dieses permanent beschäftigt sein, hat bei mir doch einen positiven Effekt. Es hat mich zu einem eifrigerem Menschen gemacht. Als Studentin hatte ich massenhaft Zeit, die ich liebend gerne mit Nichts-tun verplant hatte. Jetzt kann ich das nicht mehr. Ist nicht wie Fahrrad fahren. Habe ich verlernt. Wenn ich jetzt Zeit habe, dann tue ich etwas. Das müsste ich erst wieder lernen, das Seele baumeln lassen. Aber dazu müsste man mir die Kinder wegnehmen, nicht das Handy!

Also Facebook ade? Nein, denn Scheiden täte weh.

Was mir persönlich allerdings ein bisschen Genugtuung verschafft: Das liebe Facebook-Team schreibt mir seit 342 Tagen jeden einzelnen Tag eine Nachricht, dass meine E-mail-Adresse nicht mehr existiert. Das macht die da drüben fix und fertig, glaube ich. Ha! Und meine Telefonnummer kriegt ihr auch nicht. Ha! Die müsst ihr euch schon von Google besorgen. Ha!