Archiv für den Monat: Mai 2014

Die Zeit rinnt

lass liegen

08:23h

Mein Sohn ist gerade eingeschlafen. Und ich habe echt Glück, denn der Haushalt schreit: „Lass mich einfach liegen.“

Wenn ich ein Ziel in meinem Leben nie hatte, war es reich zu werden. Wollt‘ ich nie. Ich habe es dann auch nie probiert. Und es ist mir auch nicht einfach so passiert. Leider. Das bereue ich jetzt irgendwie. Denn, was ich ausser Acht gelassen habe, weil ich so viel davon hatte, war, dass man sich Zeit kaufen kann.

Jetzt würde ich sie nämlich dringend brauchen und auch kaufen: Die Zeit. Zeit, um zu schreiben. Denn da sind sie jetzt, die Verlage. Sie stehen noch nicht Schlange, aber Chancen wurden meinem Werk durchaus attestiert.

Klar, kleine Änderungen müssten vorgenommen werden. Ich muss also mein Buch, meinen ersten Roman, noch einmal bearbeiten, überarbeiten. Eigentlich bräuchte ich einen Lektor, den ich aber niemals bezahlen kann. (Da hätte sich das reich sein gleich doppelt gelohnt.) Deshalb nehme ich einstweilen Expertenmeinungen und Anleitungen dankbar an. Ich denke nicht, dass hier zu viele Köche den Brei verderben. Im Gegenteil, vier Augen sehen mehr als zwei. Acht mehr als vier.

Und egal, ob ich mein Buch jemals einem Verlag übergebe, oder es selbst als e-book herausgebe, es muss also noch daran gefeilt werden. Und ich weiß auch wie. Deshalb will ich es noch nicht in fremde Hände geben. Zuerst möchte ich selbst noch daran arbeiten, es verbessern, aufwerten. Denn ich sehe jetzt, dass ich eine Chance habe, in den Buchmarkt einzusteigen. Ich muss ihn ja nicht gleich erobern. Ich glaube jetzt fest daran: Mein Buch ist ein Rohdiamant. Ich will ihn noch schleifen. Ich selbst will das tun.

Mein Plan sieht so aus: „Ratlos – Die Wahrheit über unsere Kinder“ muss warten, ich gehe zurück, widme mich Nenad und versuche auch den Blog nicht zu vernachlässigen. Ich will das verdammt nochmal, zu einem Ende bringen. Nicht nur das! Ich will es zu einem guten von Anfang bis zum Ende bringen.

08:52h Tja. Die Zeit ist abgelaufen. Kind ist aufgewacht. Grinst und gluckst mich an. Meint wohl: Los gib‘ MIR jetzt deine Zeit. Und ja, selbstverständlich. Das mache ich.

 

Ich habe hier Raum, was ich brauche ist Zeit.

Ich pfeif‘ auf die Muse, die hat mich 100 Mal schon geküsst. Was ich brauche ist Zeit.

Ich habe längst nachgedacht, alles durchgedacht, was ich brauche ist Zeit.

Und wo ist sie, wenn man sie am dringendsten braucht? Wenn man sie weder nehmen, noch stehlen kann?

Ich muss sie mir lassen, dann wird sie auch kommen – die ach du liebe Zeit!

 

Wer das gelesen hat, wollte auch das hier lesen.

Flieg! Flieg doch!

seifenblase

Unverhofft kommt nicht oft, aber Montags! Was war das für ein Tag? Erstens ist mein Opa 91 Jahre alt geworden. Er behauptet ja 19. Aber man sieht ihm mittlerweile doch an, dass das nicht stimmen kann. Dieser Witz wird übrigens genau wie er, niemals zu alt. Sowohl mit dem Geburtstag, als auch dem Witz konnte ich rechnen. Was ich allerdings nicht erwartet habe: Gleich zwei Verlage haben sich bei mir gemeldet.

Und da ich ja versprochen habe, dass ihr mir bei meinem Prozess des Scheiterns zusehen dürft, lasse ich euch fairerweise auch teilhaben, wenn es Positives zu vermelden gibt. Und das gibt es.

Diese Verlage wollen mehr von mir, mehr lesen. Und das können sie natürlich auch. Weitere Leseproben sind schon versandt. Klar, das muss gar nichts heißen, aber es bedeutet sehr wohl etwas. Nämlich mir bedeutet es verdammt viel, dass jemand etwas von mir gelesen, und jetzt Lust auf mehr hat. Mir ist natürlich bewusst, dass die Verleger diesen Eintrag jetzt möglicherweise auch sehen. Das ist Fluch und Segen zugleich.

Fluch deshalb, weil das dem Ganzen etwas Offizielleres verleiht. Es ist keine Kommunikation, kein Austausch mehr, der sich auf sie und mich beschränkt, sondern ihr alle lest mit, seht uns dabei zu. Ein Segen ist es aber auch. Weil ich selbst habe jetzt und hier die Möglichkeit, ihnen eine Last von den Schultern zu nehmen.

Denn ich stelle mir vor, Verleger zu sein ist nicht einfach. Es ist ein undankbarer Beruf. Vergleichbar etwa mit Zahnärzten und Schwarzkapplern. Sätze wie: „Oje, da seh‘ ich was. Sie haben da ein Loch. Das kann jetzt weh tun.“, oder „Sie sind nur eine Station gefahren? Das macht trotzdem 120 Euro, bitte.“, und „Tut mir leid, ihr Buch ist Schrott. Werden sie nicht Buchschreiber, bleiben sie lieber Buchhalter!“, sagt niemand gerne. Kann ich mir vorstellen. LektorInnen sind dazu verdammt, Träume wie Seifenblasen zerplatzen zu lassen. Echt nicht schön, aber wenn jedes Buch verlegt werden würde, dann stellt euch mal vor, wie die Bibliotheken und Büchereien aussehen würden! Wir müssten darin leben, da es sonst keinen Platz mehr auf der Welt gebe (Eigentlich doch eine ganz nette Vorstellung). Aber das geht nunmal nicht.

Liebe VerlegerInnen, ich möchte ihnen an dieser Stelle mitteilen: Ja, ich habe ein Buch geschrieben und ja, es wäre unglaublich toll, wenn dieses Buch verlegt werden würde. Aber, und jetzt kommt’s: Dieses Buch ist nicht mein Leben. Ich habe schon einen Job. Und ich habe noch andere fantastische Träume. Als alte Frau möchte ich am Meer leben und immer, wirklich immer die Grillen zirpen, und das Meer rauschen hören. Also, wenn sie mir dann doch keine Zusage erteilen: Es ist nicht so schlimm. Ich werde darüber hinweg kommen. Aber jetzt, wo ich dieses leise Gefühl der aufkeimenden Hoffnung kenne, das sich fast so anfühlt, als wäre ich frisch verliebt, habe ich doch noch eine kleine Bitte an sie:

Lassen sie sich mit ihrer Absage Zeit, damit mein kleiner Traum noch ein bisschen fliegen kann!

Vielen Dank!

 

Alles über meine erfolgreiche Verlagssuche gibt es hier.