Archiv für den Monat: April 2014

Gene lügen nicht.

laub

Falls ihr es noch nicht bemerkt habt, sage ich es euch: Ich habe das Schreiben im Blut. Möglicherweise bin ich sogar doppelt mit Schriftstellergenen gesegnet.

Meine Oma hat schließlich immer steif, fest und gerne behauptet, unsere Familie sei mit dem Herrn Tegetthoff verwandt, irgendwie. Nicht mit dem Kommandanten, sondern eben mit dem Schriftsteller.

Tja, natürlich lässt das „irgendwie“ am Ende des Satzes aufhorchen. Belege für die Verwandtschaft gibt es keine, glaube ich zumindest. Denn schuld daran war angeblich ein Unfall, gezeugt wahrscheinlich im vorletzten Jahrhundert mit irgendeiner Geliebten, die dann eine Cousine hatte, deren Ururgroßvater der Bruder vom Opa von der Oma war….oder so irgendwie.

Wer es genau wissen könnte, wäre Tante Trude. Sie verwaltet den Stammbaum in unserer Familie. Das interessante an dem Phänomen Tante Trude ist erstens, dass sie gar nicht meine Tante ist, sondern wir irgendwie anders verwandt sind. Und da wären wir wieder bei dem Problem mit dem „irgendwie“ und der Stammbaumverwaltung. Aber wir drehen uns im Kreis.

Abgesehen davon, dass es viele spannende Dinge über Tante Trude zu erzählen gäbe, beschränke ich mich auf ihre Schreibkünste. Sie hat viel Zeit und wahrscheinlich auch das nötige Bare, ihre Werke selbst zu veröffentlichen. Ich weiß gar nicht, ob sie sich je an einen Verlag gewandt hat. Sie ist jedenfalls eine Textallrounderin, verfasst Lyrik und Prosa. Vorwiegend geht es dabei um Spaziergänge durch Wald, Wiese und Gärten, glaube ich mich zu erinnern.

Ich war nämlich einmal sogar zu einer Lesung von meiner Tante Trude eingeladen, in einer wunderbaren alten Mühle. Von dem Vorgelesenen kamen mir allerdings nur wenige Wortfetzen zu Ohren. Mein lieber Großvater – leider leicht schwerhörig und deshalb nicht mitbekommend, dass Tante Trude schon mitten in der Lesung steckte – philosophierte dort lautstark in dem stillen Raum über das Getränkeangebot vor Ort und vereinnahmte damit meine gesamte Aufmerksamkeit. Er schloss seine Rede gleichzeitig mit Tante Trudes Lesung mit den Worten „Wenn die kan Almdudler haben, gehen wir wieder ham!“

Jedenfalls blieb dies meine einzige Teilnahme an einer Lesung von meiner Tante Trude. Das liegt möglicherweise auch daran, dass ich mir dort erlaubt habe, eine wohl etwas unangenehme, aber meiner Meinung nach durchaus berechtigte Frage zu stellen, die wie ich glaube, vielen treuen Zuhörern von Tante Trude schon lange auf der Zunge brennen musste: „Wie kann jemand, der ein Blindenabzeichen trägt, Bücher schreiben und daraus vorlesen?“

Ich bekam nie ein Antwort, aber ein betretenes Schweigen da, einen abfälligen Blick dort, eine abwinkende Geste hier und ein hilfloses Gestammel irgendwo anders.

Ich gab mir die Antwort schließlich selbst: Das kann nur ein Phänomen, wie meine Tante Trude.

Also, wer jetzt noch daran zweifelt, dass ich dank meiner dichtenden und erzählenden Verwandtschaft eine waschechte Schriftstellerin bin, dem schreibe ich es gerne mit einem dicken Edding hinter die Ohren.

Ob das, was ich schreibe auch gelesen wird, ist eine ganz andere Frage. Die kann ich möglicherweise auch nie selbst beantworten. Aber selbst Mark Twain hat hundert Jahre nach seinem Tod noch einen Bestseller mit seiner Autobiographie gelandet. Vielleicht haben Tante Trude und ich ja erst posthum die ganz große Chance. Besser spät als nie. Ich drücke uns die Daumen. Wer noch?

 

Alles über meine erfolgreiche Verlagssuche gibt es hier.

Fortsetzung folgt…(war meine Lieblingssendung)

Ich war letzte Woche dabei sechs Gründe aufzuzählen, warum ich als Schriftstellerin eventuell gar nicht geeignet sein könnte. Nach „Zweitens“ habe ich mich mit meinem eigenen Blog recht dreist selbst unterbrochen. Hier ist jetzt die Fortsetzung:

 

Drittens: Ich kann mit Kritik eher mäßig umgehen. Das war schon immer so. Als SchriftstellerIN ist man aber permanenten Kritiken und -ern ausgesetzt. Ich fürchte ja schon um die Qualität und den Humorgehalt meiner Texte, wenn ich nur drei „Gefällt mir“ bekomme. Eigentlich sollte ich dringend an meinem Selbstbewusstsein arbeiten oder zumindest ein besseres vorgaukeln: „Ist mir scheiß egal, ob euch das gefällt, was ihr hier lest, oder eben nicht! Ist das klar?“

Viertens: Tick. Tick. Tick. Kaum habe ich meine Exposés abgeschickt, wurde das Warten auf eine Antwort schon zum Nervenkrieg. Den habe ich aber jetzt drei Wochen später gewonnen. Was geholfen hat, war mein gesunder Pessimismus. Auf die Rückgabe der Mathe-Schularbeit habe ich damals in der Schule liebend gern möglichst lange gewartet – von mir aus bis auf Godot – wenn mir das „Nicht genügend“ sicher war. So ähnlich ist es jetzt auch mit dem Warten auf Absagen. Oder Antworten, die möglicherweise nie kommen. So stirbt auch die Hoffnung nicht. War bei Mathe auch so.

Fünftens: Ich habe plötzlich Zweifel, was mein eigenes Buch betrifft. Will ich überhaupt, dass es jemand liest? Ist es für die Öffentlichkeit bestimmt? Meine Gedanken und Hirngespinnste sind ja dann quasi ein offenes Buch für alle. Das will ich eigentlich gar nicht.

Sechstens war das Drittens im Zweitens. (Kann bei Vergesslichkeit oder nachträglichem Interesse nachgelesen werden.)

Demnächst erkläre ich in meinem Blog, warum ich das Schreiben in den Genen habe. Denn es gibt schon eine Schriftstellerin in meiner Familie: Meine Tante Trude. Sie kommt ganz ohne Verlag, Blog und Facebookseite aus. Vielleicht hätte ich mir an ihr ein Beispiel nehmen sollen.

 

Alles über meine erfolgreiche verlagssuche gibt es hier.